Reisetipp für Griechenland-Liebhaber

Pilion - Reich von Zeus und Zentauren

Die griechischen Götter hatten hier ihre Sommerresidenz. Vielleicht blieb die Halbinsel mit ihren Traumbuchten und Berghängen deshalb von Touristenströmen verschont und wurde ein Geheimtipp für Griechenland-Urlauber.

Die Morgensonne glänzt über der Ägäis und verwandelt das Meer in gehämmertes Silber. Der kleine Naturhafen des Fischerdorfes Agios Ioannis füllt sich mit dem Geknatter von Außenbordmotoren. Die Fischer kehren mit ihren Booten zurück, dunkel gebrannt von der Sonne, den Fang in Kisten sortiert. Auf der Mohle breiten sie sorgsam die Netze aus, um sie von Muscheln und kleinen Algen zu befreien. Nur noch Vogelgezwitscher und ein griechischer Radiomoderator sind von Ferne zu hören. Ansonsten herrscht Ruhe in Agios Ioannis, selbst im Sommer, wenn die Urlauber zum Baden kommen.

Pilion, eine griechische Halbinsel zwischen der Brandung der Ägäis und dem ruhigen Gewässer des Pagasäischen Golfs, schläft den Dornröschenschlaf. Bekannter sind ihre südlich gelegenen Schwestern: die Sporaden. Das Pilion selbst blieb den Göttern vorbehalten – denn in der griechischen Mythologie galt es als Sommerresidenz des Olymps. Eine Region mit paradiesischen Badebuchten und blumengeschmückten Dörfern. In den Wäldern rauschen Bäche und gedeihen Esskastanien, trällern Nachtigallen und sollen die Zentauren leben, jene unsterblichen Kreaturen der Sagenwelt, die halb Mensch, halb Pferd sind.

Volos, die Hauptstadt und der Ausgangspunkt unserer Entdeckungsreise, fiel 1956 einem Erdbeben zum Opfer. Schachbrettartig wurde sie um den Hafen wieder aufgebaut und zählt heute 86 000 Einwohner. Schnell verlieren sich von hier aus die Straßen in Richtung des Pilionberges, der der Region ihren Namen gab. Der kleine Mietwagen klettert durch eine Landschaft, die so reich und grün ist, dass sie nicht nur den Göttern, sondern auch der Filmindustrie gefiel. Hier wurde 2007 die Komödie „Mamma Mia!“ mit Meryl Streep und Pierce Brosnan gedreht. Auch die kleinen Dörfer sind immer wieder Anziehungspunkte für Filmproduktionen. Zum Beispiel Makrinitsa in 630 Meter Höhe, das den Blick bis auf Volos freigibt und als „Balkon des Pilions“ bezeichnet wird.

„Nehmen Sie ein paar frische Kräuter mit!“, ermuntert uns Adriános. Er betreibt am Ortseingang von Makrinitsa einen Stand mit Honig, Konfitüren und getrockneten Kräutern, so nah an der Straße, dass man ihn nur vorsichtig umschiffen kann. Ein blühendes Geschäft: Wenig später füllen Majoran und Kamille den Wagen mit ihrem Duft.

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