Urlaub auf Madeira

Hoch im Atlantik

Madeira, die Insel des ewigen Frühlings und der Blumenpracht, lockt die Generation Silberhaar ebenso wie junge Abenteurer. Schon weil das Klima das ganze Jahr angenehm ist und die Vulkane eine magische Natur schufen. 

Spektakulärer kann die Landung auch auf einem Flugzeugträger nicht sein: die Piste auf Stelzen über dem Meer, nur wenige Meter neben der schmalen Landebahn die tosenden Wellen, auf der anderen Seite eine senkrecht aufsteigende Felswand. Die rosagrau melierte Lady auf Platz 3A wischt sich mit einem feinen, blütenweißen und bestickten Stofftaschentuch den Angstschweiß von der Stirn und sagt zu sich selbst und ganz leise: „God bless the pilot.“ Bis zum Jahr 2000, als endlich die Landebahn verlängert wurde, durften nur kleine Flugzeuge auf dem 1964 erbauten Flughafen von Santa Catarina landen – und das auch nur, wenn die Piloten die dafür nötige Spezialschulung für Madeira nachweisen konnten.

Intensive Farben, entspannte Menschen

Vor der Landung des ersten Wasserflugzeugs 1949 war Madeira ohnehin einzig auf dem Seeweg erreichbar. Was jedoch weder die Phönizier im 6. Jahrhundert vor Christus noch danach die Römer daran hinderte, das als Vulkan aus dem Atlantik emporgestiegene Eiland heimzusuchen. Es ist als „Isola di Legname“, als Holzinsel, schon auf der Medici-Karte des 14. Jahrhunderts vermerkt, wurde 1418 von Portugal annektiert und auf Betreiben von Heinrich dem Seefahrer zur Machtsicherung mit Portugiesen besiedelt. Erst im Vertrag von Lissabon erhielt Madeira 1668 die Unabhängigkeit, die in den Napoleonischen Kriegen zur Besetzung der Insel durch die Engländer führte – um die Franzosen abzuwehren. Madeira war schließlich nach der Entdeckung Amerikas strategisch wichtig. Schon um die Versorgung der Mannschaften auf den langen Fahrten zu gestalten: Auf dem Hinweg setzte man Hühner, Ziegen, Schafe, Esel und Rinder aus, auf der Rückreise wurde deren Nachwuchs verspeist und als Proviant für die nächste Seefahrt gebunkert.

"Gott selber hat Madeira als Ferienort geplant"

Obwohl die Insel fast auf dem gleichen Breitengrad wie das marokkanische Casablanca liegt, herrscht kein trockenes, sondern eher ein feuchtwarmes Klima. Als Winston Churchill mit Gattin Clementine im Winter 1949 Madeira besuchen wollte, ließ er beim britischen Konsul anfragen, wie denn das Wetter im Januar sei. Der soll seinem Premier geantwortet haben: „Gott selber hat Madeira als Ferienort geplant. Ich bin schon seit 20 Monaten hier und habe nicht ein einziges Mal einen Mantel getragen.“ Die Churchills trafen nach einer mehrtägigen Schiffspassage in Funchal ein, logierten im feinsten Hotel vor Ort, dem Reid’s – und sind nicht wenig schuld daran, dass in der Folge vor allem ältere Touristen aus England die Hauptkundschaft der Insel ausmachten. Was die kulinarische Entwicklung bis vor Kurzem nicht gerade befördert hat. Doch allmählich bekommt man hier auch Raffinierteres als „englisches Gemüse“ (in Wasser weich gekocht und schal gesalzen) zu gebratenem Degenfisch (Espada) oder Fleischspießen (Espetada) auf den Teller.

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