Urlaub in Portugal

Die "Serra de Sintra"

Schroffe Klippen, tosende Brandung, schattige Wälder, tropische Parks: Vor Lissabon endet Europas Festland im Atlantik – und lockt die Serra de Sintra. Eine Entdeckungsreise auf drei Rädern. 

Die Sommersonne lässt in den Gassen Lissabons die Luft flirren. Ein Königreich für eine frische Brise! Die weht nur ein Stündchen weiter westlich, am Atlantik. Wer immer es sich leisten kann, flüchtet seit eh und je ins hügelige, sattgrüne Hinterland der Küste, in die Serra de Sintra – der ehemalige Sommersitz von Königen, Adligen und wohlhabenden Bürgern. Und schon auf der Fahrt dorthin weht einem frischer Wind um die Nase – wenn man sich im Beiwagen eines Motorrads kutschieren lässt: Portugals Costa del Sol entlang über Estoril nach Cascais zum Atlantik, an den westlichsten Zipfel des europäischen Kontinents und 500 Meter hoch hinauf in den Wald der Serra de Sintra. Eine kleine Armada nostalgischer Maschinen im Stil der 40er-Jahre wartet in Lissabon auf Ausflügler. Abgesehen vom glänzend weißen Lack wirkt das Motorrad, mit dem Anibal uns chauffieren wird, wie ein Vorkriegsmodell. Helm auf, Platz nehmen – einer im Beiwagen, der andere auf dem Soziussattel – und schon knattern wir los. Anibal, unser Fahrer, spricht fünf Sprachen, er hat weißes Haar, himmelblaue Augen und steuert uns sicher durch das Verkehrsgetümmel stadtauswärts.

Ferienvergnügen mit Weitblick

Abenteuer- und Achterbahngefühle lassen das Herz höher schlagen, so ganz ohne Airbag im Freien und mit dem Po fast auf der Straße. Der Fahrtwind zerrt an der Bluse. Es scheint, als sausten wir mit hundert Sachen durch den Sommer, dabei tuckern wir mit kaum mehr als 40 Stundenkilometern am Rio Tejo entlang. Die Docks und der Torre de Belém, der Turm, der vor Lissabon einst die Seefahrer begrüßte, liegen hinter uns.Wir entdecken die Langsamkeit wieder. Es riecht nach Meer. Fast unmerklich geht Lissabon in das Seebad Estoril über, wo die Reichen residieren, wo man Golf spielt oder im Kasino sein Glück versucht. Fischer stehen im Nachbarort Cascais auf der Mole und putzen ihre Reusen. In der sichelförmigen Bucht liegen Sonnenanbeter. „Bom dia!“ – „Guten Tag!“, rufen uns Spaziergänger lachend hinterher. Das Leben des properen Städtchens findet um das Hafenrund statt. Die schwarzen und weißen Pflastersteine des Rathausplatzes reichen bis zum Strand.

Im Boca do Inferno, dem Höllenschlund von Cascais, hat die Beschaulichkeit ein Ende. Gischt bricht sich meterhoch an den Felsen. Der Wind reißt einem die Worte vom Mund und zuzelt die Haare aus dem Helm. Etwas weiter nördlich fegt er über den breiten Strand des Surfer-Eldorados Guincho, hat die Straße mit Sand gepudert und auf der Landseite Dünen aufgetürmt.Wie feine Nadelstiche piksen die Körnchen auf unseren Armen. Endlich biegt Anibal ab. Auf schmalen Straßen tauchen wir ein in Sintras Märchenwald. Unser Ziel ist nicht mehr fern: die Quinta das Sequóias, ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, das die Grandezza vergangener Zeiten mit dem Hotelkomfort von heute verbindet. Als wir eintreffen, wartet unser Gepäck bereits, es war separat im Auto vorgereist. Der englische Dichter und Lebemann Lord Byron (1788–1824) beschrieb Sintra Anfang des 19. Jahrhunderts als Garten Eden. Sintras Hügel fallen in einer Woge aus Wäldern und Gärten zehn Kilometer bis zum Atlantik ab. Sintra hat Meerblick. Schlösser und Landhäuser thronen hinter hohen Mauern in strotzenden Gärten.

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