Urlaub in Frankreich

Die Provence

Wenn der Winter wieder einmal zu lang gewesen und die Sehnsucht nach dem Frühjahr kaum mehr zu bändigen ist, dann lechzen alle Sinne nach Licht, Wärme, Duft und Farbe. Dafür gibt es kaum einen besseren Ort als die Provence. 

Die Farbpalette erstreckt sich vom Violett des Lavendels bis zum Gelb der Sonnenblumenfelder, ihre Beleuchtung vom gleißenden Mittagslicht bis zum dunkelroten Sonnenunter gang hinter einer Reihe von Mittelmeer-Zypressen, ihr Sound vom Pfeifen des Mistrals auf dem kahlen Gipfel des Mont Ventoux bis zum Gesang der Vögel und Zikaden in den sattgrünen Ebenen. Die Provence ist zu allen Tages- und Jahreszeiten eine magische Tour der Sinne. Eine Reise durch Vaucluse, das provenzalische Departement östlich von Avignon, beginnt man aber am besten an einem heiteren Frühlingstag mit einem ausgedehnten Frühstück im Freien. Mit Café au Lait, Baguette und allem, was sonst noch dazugehört.

Eine magische Tour der Sinne 

Und das ist nicht wenig. Denn diese Gegend, so scheint es, hat von allem zu viel. Oder wie der Schriftsteller Kasimir Edschmid einst bemerkte: „Um Avignon ist die Provence ein Paradies, aber im April, wenn ganz Frankreich anfängt zu blühen, ist sie der Garten des Herrn, wie ihn die Fantasie der Gläubigsten beschrieben hat.“ Wem dieser Satz vom Garten Eden zu dick aufgetragen erscheint, der schlendere einmal über einen provenzalischen Wochenmarkt, etwa in Carpentras oder in Monteux. Liebevoll drapieren die Marktfrauen ihre Kräuterbündel und Käsesorten. In hölzerne Bottiche gießen sie grüne und schwarze Juwelen, gepfl ückt von den silbern schimmernden Olivenbäumen, die schon vor 25 Jahrhunderten von den alten Griechen in diese Gegend gebracht wurden. Wer sich hier der „Fantasie der Gläubigsten“ immer noch nicht öffnen mag, der muss länger in der Provence bleiben. Vielleicht bis Anfang Juli, wenn keine 30 Kilometer südlich von Monteux das Melonenfest gefeiert wird, in Cavaillon – der Hauptstadt der Honigmelone.

Oder vielleicht sogar bis zum Spätsommer, wenn die Trauben der Grenache Noir, Syrah, Cinsault oder Mourvèdre geerntet werden, aus denen der kräftige rote Côtes du Ventoux gekeltert wird. Es ist nur eine Frage der Zeit: Irgendwann erlebt hier jeder seine provenzalische Bekehrung. Denn der landschaftliche Reichtum ist einfach überwältigend. Dabei ist die Gegend alles andere als nur mild und lieblich. Hinter den fruchtbaren Feldern bei Carpentras und dem Weinbaugebiet von Beaume-de-Venise wird das schnell deutlich: Die Provence kann auch anders – kontrastreich, wild und rau ist sie mitunter, sehr heiß im Sommer und eisig kalt im Winter, zerklüftet von Wind und Wasser.

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