Skifahren in den spanischen Pyrenäen

Das Tal der Könige

Hier wedeln Antonio Banderas und Juan Carlos von Spanien im Tiefschnee: Das Vall d’Aran und das Vall de Boi in den Pyrenäen haben die schönsten Pisten Europas – und ihre ursprüngliche Bergwelt ist vom Glamour noch unberührt.

Sonnenwarme Strände, Palmen, Boote – die mediterrane Silhouette von Barcelona liegt noch keine zwei Autostunden hinter uns, da baut sich wie aus dem Nichts ein massiver Gebirgszug auf. Spitze Felsformationen türmen sich empor, durch schmale Schluchten schlängelt sich die Straße Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Daunendicke Schneeschichten umhüllen die Gipfel – hier ist nichts Mediterranes mehr. Wir sind im östlichen Teil der spanischen Pyrenäen, eine nur dünn besiedelte Landschaft, die nach Pinien duftet und im Winter als Geheimtipp für Skibegeisterte gilt. Eine prominente Klientel gibt sich in Katalonien regelmäßig ein Stelldichein – anspruchsvolle Wintersportler wie Victoria und David Beckham, Hollywoodstars wie Penélope Cruz oder Antonio Banderas. Des überfüllten Skizirkus solcher Nobelresorts wie Cortina d’Ampezzo, Crans-Montana oder St. Moritz überdrüssig, bevorzugen sie die im Vergleich nahezu unberührten, aber grandios erschlossenen Skigebiete der Pyrenäen.

Kurz hinter dem dunklen Bergtunnel von Vielha öffnet sich das Vall d’Aran. Früher galt das Tal als eine der einsamsten Gegenden der Pyrenäen – der einzige Weg ins Herz Kataloniens führte damals über steile Gebirgspässe, im Winter war das Hochtal sogar nur von Frankreich aus zu erreichen. Der 1948 gebaute Tunel de Vielha verwandelte die entlegene Region entlang der Garonne jedoch in eine bequeme Route nach Spanien, und die seit den 60er-Jahren erschlossenen Skigebiete ließen die Region endgültig aufblühen. Noch immer gibt es auf den Bergen alte Dörfer, Gasthöfe und Hütten mit dem köstlichen Eintopf, der Olla Aranesa, im Kessel. Im Tal aber entstanden rund um das Hauptstädtchen Vielha neue Villen als Zweitwohnsitz für reiche Spanier ebenso wie luxuriöse Hotels, in denen auch Spaniens König Juan Carlos einkehrt.

Als der Monarch vor dreißig Jahren die Pisten des Vall d’Aran für sich entdeckte und sie damit als königliches Wintersportdomizil berühmt machte, erteilte ihm Felipe Moga Skiunterricht. Hatte Seine Majestät Talent? „Nicht wirklich“, sagt Moga und lacht breit unter der roten Wollmütze. „Aber sein Sohn Felipe - der hat es.“ Moga nahm 1960 an der Olympiade in Squaw Valley teil, wie überhaupt aus dem Tal von Aran Spaniens berühmteste Abfahrtsläufer stammten, die später auch die olympische Mannschaft bildeten. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere trainierte Moga dann das Nationalteam – und seinen König. Heute lebt der 75-Jährige noch immer hoch über dem Vall d’Aran, in einem der typischen Bauernhäuser aus Granitbrocken.

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