Reise nach Umbrien

Das grüne Herz Italiens

Ihren Spitznamen trägt die Heimat des Franz von Assisi ganz zu Recht: Mit ihren Wäldern und Weinbergen, mittelalterlichen Dörfern und Klöstern übertrifft sie selbst die Reize der Toskana.

Umbrien ist bedächtig. Alles geht ein bisschen langsamer“, erklärt Chiara Lungarotti, „und das kommt auch unseren Erzeugnissen zugute – Wein, Öl, Stoffe.Wir achten auf Qualität und Lebensart, und dazu gehört natürlich auch Zeit, sie zu genießen.“ Dann setzt die Winzerin der Bedächtigkeit ein jähes Ende, sie gibt Gas, und wir gleiten in ihrem Volvo über die Weinberge.

Abendsonne taucht die sanften Hügel in goldene Flammen, die Rebstöcke reichen bis zum Horizont und zügig breitet sich ein mittelalterliches Städtchen vor uns aus: Torgiano. An der Stadtmauer entlang geht es zum Hotel und dem Gut der Lungarottis. Lange Zeit hatte die arme, bäuerliche Region den Dornröschenschlaf geschlummert, bis in den 60er-Jahren Chiaras Vater Giorgio Lungarotti als einer der Ersten auf modernen Weinanbau setzte. Er bescherte Torgiano einen Ruf als Hochburg für Qualitätstropfen, hielt aber gleichzeitig alte Traditionen lebendig und stiftete der Stadt ein eigenes Olivenöl- und Weinmuseum.

Dank solcher unternehmerischer Initiativen wuchs auch der Ruf Umbriens: als Region für Wein, Olivenöl, Getreide – und als Eldorado für Feinschmecker, das mit der im Westen angrenzenden Toskana keinen Vergleich zu scheuen braucht. Der Autohersteller Ferruccio Lamborghini kaufte sich hier in den 70er-Jahren ein Landgut, und auch italienische Prominenz und der Adel begannen, sich wieder auf ihre Güter und den Anbau hochwertiger Produkte zu konzentrieren.

„In jeder Weinflasche ist die Seele der Landschaft zu finden“, da ist Chiara Lungarotti überzeugt. Sie trat mit ihrer Schwester Teresa in die Fußstapfen des Vaters, ihre Winzerei produziert fast drei Millionen Liter Wein im Jahr und zählt zu den Top-Kellereien Umbriens. „Als ich klein war, sagte mir mein Vater, ich solle mit nackten Füßen durch die Weinberge gehen, da würde ich die Seele des Bodens spüren“, erzählt sie, „diese Verbundenheit spüre ich bis heute. Deshalb verstehe ich mich immer mehr als Botschafterin des Landes.“

Über die Schönheit ihrer Heimat lassen die Umbrer nicht mit sich diskutieren. Ein grünes Land, wenig besiedelt, das zwar ohne Meerzugang auskommen muss, aber dafür blaue Augen hat – etwa in Form des Trasimenischen Sees, dem größten Gewässer der Apenninhalbinsel. Umbrien birgt eine Vielzahl kultureller Schätze: mittelalterliche Städtchen, die wie Adlerhorste auf den Hügeln thronen – und einige der prachtvollsten Klöster und Kirchen des Landes. Zum Beispiel in Assisi.

1 2 3
Schlagworte:
Quelle: