Bordeaux

Der Wein der Frauen

Grands Crus und Preisrekorde prägen das Image. Doch das betrifft nur einen winzigen Teil im berühmtesten Weinanbaugebiet der Welt. Um Bordeaux herum tut sich viel Neues, Modernes und sogar Preisgünstiges, seit dort Frauen die Welt des Weins verändern. Wir haben sie besucht – und glückliche Menschen getroffen.

Chateau du Taillan

Wenn man nicht gerade den Wein zum Beruf gemacht oder es als Weinliebhaber zu großer Kennerschaft gebracht hat, kann der verlockende Name „Bordeaux“ fast ein wenig einschüchternd wirken. 

Véronique Mazières

Véronique Mazières gehört zu den neuen Winzerinnen, die sich nachhaltigen Anbaumethoden verpflichtet fühlen. Wir trafen die gelernte Juristin bei ihrer Freundin Corinne Dray nahe Saint-Émilion. 2006 hat sie mit ihrem Mann in der Nähe ein sieben Hektar großes Weingut gekauft. Probeflaschen ihres „Domaine des Collines“ aus Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon transportiert sie in einer eigens angefertigten Lederhandtasche.

Bordeaux-Weine, das sind doch diese schweren Roten, die man andächtig zu trinken hat und sich blamiert, wenn man nicht neueste Rezensionen von Weinpäpsten kennt. Und für die Oligarchen Mondpreise zahlen. Nichts für gesellige Spontantrinker, für die gilt: Hauptsache, der Wein schmeckt, macht weder arm noch Kopfweh, und vor allem der Abend wird schön. „Das ist alles richtig – und doch total falsch“, sagt Cathérine Papon-Nouvel, mit der wir uns in einem kleinen Wirtshaus in ihrem Heimatort Saint Émilion treffen. Die Spitzengewächse der Grands Crus, um die Moguln aus China und Russland bei Auktionen wettbieten, „machen ja nur fünf Prozent der Weine hier aus“ – und einige wenige Winzer reich. „Der Ruhm des Bordeaux ist auch sein Fluch“, sagt sie. Denn dabei wird leicht vergessen, dass es hier richtig gute Weine für fünf Euro pro Flasche gibt und auch ganz wunderbare Weißweine. „Die Leute kaufen sich dann einen Wein aus Übersee.“ Der ist oft teurer, nicht so gut und hat eine miserable CO2-Bilanz. Cathérine berät Winzer. Vor allem Winzerinnen. Denn es verändert sich vieles beim Bordeaux. Und oft sind es Frauen, die die Veränderung vorantreiben. 
 
Die Töchter stellen auf Öko-Weinbau um wie Cathérine. „Die Chemie macht Winzer faul und Reben schwach“, sagt Cathérine. „Im Ökoweinbau muss ich viel über Pflanzen und Böden wissen, und die Reben werden stark.“ Frauen ziehen in die Gegend, weil sie ihre Liebe zum Weinbau entdeckt haben: Sie schneiden alte Zöpfe ab, richten Bed & Breakfasts ein und freuen sich über Besuch. Sie machen den Wein, backen Cupcakes und retten das Familienerbe. Und freuen sich ihres Lebens. Denn das Leben für den Wein ist schon ein besonderes Leben.
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Autor:
Anne Urbauer