Luxus-Camping in Holland

Safari auf dem Bauernhof

Camping de luxe wie vor 100 Jahren: Das niederländische Projekt „Het Betere Boerenbed“ schickt Großstädter auf eine Zeitreise in die Natur. 

Zelt

Hühner

Ökologische Lebensmittel: Die hofeigenen Hühner produzieren die Frühstückseier.

Petroleumlampen statt Glühbirnen, ein Holzofen statt Induktionsherd – mit dem Betreten des Zelts entdeckt der Gast eine Welt ohne Elektrizität. „Uns schwebte das Leben auf dem Bauernhof zwischen 1910 und 1930 vor“, erklärt Dave Landman, Produktmanager von „Het Betere Boerenbed“, dem „Besseren Bauernbett“. „So konnten wir Zelte mit gewissem Luxus kreieren, die Charme besitzen, ursprünglich und beruhigend wirken.“

Spätestens beim Mahlen der Bohnen in Großmutters Kaff eemühle entschleunigen unsere Gäste von selbst. 15 Bauernhöfe bieten in den Niederlanden ein Boerenbed an, buchbar unter www.boerenbed.nl. Bis zu sechs Personen leben bequem in den 45 Quadratmeter großen Zelten. Der Boden besteht aus festen Holzkassetten. Im Vorzelt befi nden sich die Küche, der Essplatz, ein Alkoven und die Toilette. Hinzu kommen zwei Schlafzimmer. Zwischen den Zelten liegen mindestens 15 Meter Abstand, geduscht wird in Nebengebäuden der Höfe. Alle Bauernhöfe müssen bewirtschaftet werden, liegen in unberührter Natur und öff nen ihre Pforten von April bis Oktober. Jedes Gut betreibt einen Hofladen. Hier können die Gäste ökologische Lebensmittel aus der Region kaufen. Ein Fahrradverleih – typisch niederländisch – ist natürlich auch dabei!

Streichelzoo statt Micky Maus

Schlafzimmer

Rein in die Federn: Eines der Schlafzimmer ist mit einem Doppelbett ausgestattet, das andere mit Stockbetten.  

Das Konzept entstand 2003. Der Gründer, Luite Moraal, war zuvor Marketing Manager bei Disneyland. Er übernahm das Konzept, Kindern und ihren Familien ein unvergessliches Ferienerlebnis zu bescheren – allerdings weniger industriell und dafür authentischer. „Gut 90 Prozent unserer Gäste sind Familien“, weiß Landman. „Aber es gibt auch Paare, die ein romantisches Wochenende verbringen wollen oder Firmen, die Seminare abhalten.“ Vor acht Jahren ging der erste Hof „Het Boshuis“ in Vierakker in der Provinz Gelderland an den Start. Gemeinsam mit seinen Eltern führt Ökobauer Paul Rietman den Betrieb: „Bei 100 Gästen kommen 100 Fragen, und wir beantworten sie gerne.“

Auf allen Bauernhöfen dürfen die Camper zum Beispiel ihr Frühstücksei selbst aus dem Nest holen. „Wenn ich den Kindern erkläre, dass sie nicht alle fünf Minuten zum Nest können, weil das den Lege prozess stört, machen sie eine Erfahrung, die ihnen in der Stadt entgehen würde“, erklärt Rietman. Das gilt auch für Erwachsene! „Jeder Bauernhof bietet Extra- Aktivitäten an. Bei uns kann man unter anderem eine Eselwanderung buchen oder Forellen räuchern!“, wirbt der Jungbauer und freut sich: „Schon nach einem Tag entspannen die Leute hier. Ich merke das, wenn sie mich fragen, wie spät es ist. Ihre Uhr haben sie dann längst abgelegt!“ Mittlerweile expandierte „Het Betere Boerenbed“ nach Frankreich, Großbritannien und Belgien. Pilotversuche laufen im Schwarzwald und im Westerwald. Ab 2012 soll das Konzept in Deutschland richtig Fuß fassen – unter dem idyllischen Namen „Wundervolles Wiesenbett“!

Seite 1: Safari auf dem Bauernhof
Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Sven Hasselberg