Griechenland

Entspannen auf Mykonos

Eine Italienerin hat auf der Kykladeninsel ihren Wohntraum verwirklicht. Typisch griechisch: weiß wie der Strand, blau wie der Himmel und das Meer.
Der Legende nach entstand das griechische Mykonos, als der antike Held Herakles schaurige Riesen tötete. Sie fielen ins Meer und versteinerten – die Geburtsstunde einer wahrlich sagenhaften Insel in der Ägäis. Agrari ist einer der ruhigeren Orte im Südosten. Es gibt keine breit ausgebauten Hauptstraßen, die hierher führen, keine Busse. Agrari ist weit weg – weit weg von den Clubs und Bars, zu denen Tausende Partyjünger aus der ganzen Welt strömen. Über einer abgeschiedenen Bucht erhebt sich das einfach getünchte Haus und leuchtet mit dem weißen Sandstrand am Fuße der Felsen um die Wette. Der Blick schweift hinüber zur Nachbarinsel von Mykonos: Naxos.
 
Die Hausherrin, eine italienische Innenarchitektin, wollte unbedingt ein Feriendomizil in Griechenland, das den einheimischen Baustil respektiert und zugleich neu interpretiert. Also entschied sie sich dafür, ihren lang gehegten Traum einfach selbst zu bauen. Auf zwei Etagen ist spielend Raum für bis zu zehn Menschen. Die kubische Bauweise ist typisch für die Insel Mykonos. Der weiße Putz reflektiert die Sonne und sorgt so gemeinsam mit den kleinen Fenstern dafür, dass es im Inneren auch bei sommerlichen 30 Grad angenehm kühl bleibt. Da das Haus erhöht steht, bahnt sich zusätzlich eine erfrischende Meeresbrise den Weg durch die Räume. Das Leben am Meer bedeutet für die Besitzerin Freiheit und eine gewisse Offenheit, ja das Gefühl von Weite, das ihr im hektischen Alltag in Mailand allzu oft fehlt.
 

Mediterranes Spiel der Farben auf Mykonos

Die meisten Möbel sind antik. Die findige Hausherrin importierte sie aus Frankreich und ihrer Heimat Italien. Viele der neuen Häuser auf der Insel wurden in den vergangenen Jahren eher minimalistisch ausgestattet. Doch im Gegensatz zu seinem puristischen Äußeren blüht das Innere des Hauses in einem Zusammenspiel aus Materialien und Farben förmlich auf. Das Ambiente entspricht einem eher traditionell rustikalen Stil. Passend dazu wurden in vielen Räumen breite Holzdielen verlegt. Diese stammen aus einem alten Haus in Tirol, fügen sich jedoch wie selbstverständlich in das mediterrane Bauwerk ein. Ebenso traditionell geht es in der Küche zu.
 
Nach altem Brauch auf Mykonos wurde der Herd, das Herz des Hauses, in einer Wandnische untergebracht. Sie ist nicht etwa mit griechischen, sondern mit handbemalten italienischen Kacheln gefliest. Dazu erstrahlen die Wände in überwältigendem Türkis, als ob eine Meereswoge den Raum durchflutet. Im Kontrast dazu stehen die roten Bodenfliesen. Die hellen Deckenbalken und hölzernen Einbauschränke für das Geschirr machen den Rustikal-Look perfekt.
 
Neben dem Speisebereich in der Küche gibt es auch noch ein separates Esszimmer. Der runde Rattantisch und die vier Stühle eignen sich hervorragend für Abendessen in kleinem Kreis. Auf den Einbauregalen tummeln sich verschiedene Kunstobjekte aus Metall. Durch einen Bogen betritt man das Wohnzimmer. Die weißen Sessel zieren große, violette Kissen, das Sofa harmoniert lavendelfarben. Darüber: ein ausladender Kronleuchter, der dem Besucher sofort ins Auge fällt. Am Ende seiner zwölf Arme sitzen kleine rote Lampenschirme, die ein besonders weiches Licht verbreiten.
Tipp: Design für Ihre Küche
 
Obwohl das Haus gerade einmal 15 Jahre alt ist, verleihen ihm die Antiquitäten und Vintage-Möbel einen Hauch von Geschichte und verbreiten einen ganz besonderen Charme. Das Hauptschlafzimmer zum Beispiel dominiert ein großes französisches Doppelbett mit gepolstertem Kopf- und Fußteil. An der Wand hängt eine Kollektion antiker Spiegel. In einem der Gästezimmer wurde das Bett auf ein Podest gestellt, das eine urige Holzbalustrade mit Schnitzereien umgibt.
 
Im Badezimmer sind die Wände in tiefes Blau getaucht – blau wie der Himmel über Griechenland. Die Würfelform des Gebäudes wird hier durch organische Rundungen aufgelöst, durch Deckenbögen und eine geschwungene Badewanne, zu der ebenfalls geschwungene Stufen führen. Die wenigen Fliesen sind handbemalt und zeigen Blumenmotive. Grober, unbehauener Stein aus der Gegend wurde für die Regalböden benutzt und setzt einen erdigen Kontrapunkt in diesem luftigen Raum.
 
Das eigentliche Leben jedoch findet wie überall im Süden unter freiem Himmel statt. Hier verbringt man in Griechenland den Sommer. Menschen treffen sich abends auf dem Marktplatz, stellen die Stühle unter einen Baum oder einfach vor die Türen in die kleinen Gassen. Familien leben auf der Terrasse, im Patio oder unter einer Schatten spendenden Pergola. Das gilt auch für die Besitzer des weißen Hauses über der Bucht. Selbstverständlich steht hier ebenfalls ein großer Esstisch im Freien – für Feste mit Freunden an langen Augusttagen. Brennt die Sonne, schützt ein Dach aus Bambus – doch es verstellt nicht die Sicht. Nach wie vor gilt: Meerblick inklusive.
 
Und wenn es Nacht wird, funkeln unzählige Sterne am Firmament über Mykonos. Unbestritten ist das der Lieblingsplatz der Hausherrin. Hier kann sie die Schönheit der umliegenden Natur genießen und die gleiche Luft atmen wie die alten Griechen vor über 2000 Jahren.
 
 
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Autor:
Costas Picadas
Fotograf:
Costas Picadas