Hotel in Frankreich

Das Château d’Orion

Das Château d’Orion liegt am Jakobsweg in einem stillen Winkel Südwestfrankreichs. Eine Münchner Familie kaufte es und schuf einen Ort, an dem sich Geist und Genuss versammeln: In ihrem „Denkschloss“ treffen im Sommer Reisende auf Philosophen und reden unter einer Platane über Gott und die Welt. Dazu gibt es weißen Jurançon-Wein und Köstliches aus dem Küchengarten. Der etwas andere Landurlaub.

Elke Premauer trägt eine Karaffe Verveine-aromatisierten Wassers und Gläser über den Kies zu ihren Gästen, die an einem langen Tisch unter einer mächtigen alten Platane sitzen und ihren Blick kaum von dem Panorama lösen können. Vor ihnen liegt sanft abfallend ein Tal mit hügeligen Auen und blonden Rindern, das sich kraftvoll zu der majestätischen nachtblauen Silhouette der Pyrenäenkette auffaltet.

Dieser Ort im stillen Hinterland der Atlantikküste ist so einnehmend, dass man hier ohne Weiteres stundenlang verweilen könnte, ohne etwas zu tun. Das aber ist nicht im Sinn der neun Männer und Frauen aus Deutschland, die sich zu einer „Denkwoche“ mit dem Thema „Entschleunigung“ im Château d’Orion getroffen haben. Hier wird begeistert und neugierig diskutiert über Zeitdruck und die Auswirkungen moderner Geschwindigkeitsspiralen, wird der Blick geschärft für sinnlose Raserei im gesellschaftlichen Alltag. Erzeugen wir damit in Wahrheit nicht Stillstand und schaffen wir es überhaupt noch, das Wesentliche zu erkennen und zu befördern? Die Schlossherrin Elke Premauer ist euphorisiert. Ihr Konzept geht auf.

Für diesen einwöchigen Themenzyklus hat die gelernte Journalistin und ehemalige Dokumentarfilmerin den Jenaer Soziologen und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa engagiert, der dank seines Spezialthemas „Moderne Zeitstrukturen“ die Runde mit Fakten und Fragen befeuert. Seit fünf Jahren kann man im Château d’Orion eine solche „Denkwoche“ buchen. Wie auf einem Gemälde von Claude Lorrain ist das 140 Einwohner zählende Dorf Orion eingebettet in eine hügelige Landschaft – und in den kulturell reichen Südwesten Frankreichs. Orion liegt zwischen dem mondänen Biarritz am Atlantik und Pau, Hauptstadt der Provinz Béarn und Geburtsort des „guten Königs“ Henri IV., der das Edikt von Nantes erließ, das den Protestanten im katholischen Frankreich Toleranz gewährte.

Die Idee der Toleranz und der Begegnung zieht sich durch die Geschichte des 500 Jahre alten Anwesens. Namhafte Künstler, Literaten und Wissenschaftler gingen im Château d’Orion ein und aus und prägten den „Genius Loci“ – eine Atmosphäre, die Elke Premauer und ihren Mann in ihren Bann zog.

Das Münchner Ehepaar kaufte das Haus und restaurierte es mit all seinen Schätzen in liebevoller Kleinarbeit. Das gesamte historische Inventar – Louis-Seize-Sessel, Empirekommoden, Tafelsilber, Tapisserien, Portraitgemälde der Schlossbewohner, ein über 100 Jahre altes monogrammgeschmücktes Service und unzählige, Geschichten erzählende Kleinodien – jedes Detail wurde aufpoliert und in den Originalzustand versetzt.

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Autor:
Claudia Tebel