Ostwestfalen-Lippe

Prächtige Parks

Mitten in Deutschland und doch so gut wie unentdeckt: Ostwestfalen-Lippe, die Garten-Landschaft voller grandioser Parks, Klöster und Bäder, lockt mit sanfter Magie und mit Schlossherren von nahezu britischem Hang zur Exzentrik.
Park
Wo bitte liegt Ostwestfalen-Lippe? Autofahrer auf der A 2 zwischen Berlin und Dortmund sehen im nordöstlichsten Nordrhein-Westfalen die Ausfahrt „Ostwestfalen-Lippe“. Und rasen meist ungerührt vorbei. Schade, denn so prosaisch der Name – wegen der bürokratischen Länge meist zu „OWL“ zusammengezurrt –, so faszinierend die Gegend. Zwar gilt der über 440 Meter hohe Teutoburger Wald bei Rad- und Wandertouristen als beliebte Ferienregion, der Großteil der Bilderbuchlandschaft um Brakel, Porta Westfalica und Höxter zwischen Weser und Ems jedoch ist für den größeren Teil der Republik ein weißer Fleck auf der Karte.
 
Dabei war „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ selten so wahr. Allein die imposanten Schlösser! Zu den prachtvollsten gehört Schloss Wendlinghausen. 1613–15 von einem Münchhausen-Spross im Stil der Weserrenaissance erbaut, ist das von einer Gräfte – so heißen die wassergefüllten Wehrgräben – umgebene Wasserschloss mit Schmuckgiebeln und pittoreskem Treppenturm seit fast 300 Jahren im Besitz der Familie von Reden. Heute führt Freiherr Joachim von Reden das Haus in der 16. Generation.
 
Sommerfrische
Hotel Gräflicher Park

Auf dem Rasen an der Allee sitzen die Gäste des Hotels Gräflicher Park bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf westfälisches Fachwerk. 

Noblesse oblige: Mit seiner Frau Elisabeth hat der kunstsinnige Ökolandwirt das Erbe zu einem spannungsreichen kulturellen Treffpunkt gemacht. Der englische Landschaftspark in Ostwestfalen-Lippe ist eine Schatzkiste mit zahlreichen botanischen Raritäten. Die kunstvoll gezähmte Natur wurde mit moderner Kunst veredelt. „Meine Frau hat den grünen Daumen und ein begnadetes Auge für Kunst“, schwärmt von Reden bei einem Spaziergang durch die Freiluft-Galerie.
 
Lebende grüne Skulpturen wie die 450 Jahre alte Rotbuche, ein 180-jähriger Tulpenbaum oder eine Magnolie mit bizarrer Krone stehen im Dialog mit der „Unendlichkeitskurve“ des Österreichers Alfred Hoyos. Vom Beuys-Schüler Walter Dahn stammt die Bronzefigur „Die Königin“, die im Wassergraben schaukelnde gusseiserne Boje des US-Künstlers Curtis Anderson verbreitet eine geheimnisvolle Aura. Davon ist nicht jeder Besucher angetan. „Wunderschöne Bäume, scheußliche Kunst“, lautete ein knapper Kommentar, der den Freiherrn amüsiert: „Zeitgenössische Kunst polarisiert, und das soll sie auch!“ Dem Ehepaar wäre es zu langweilig, sein Paradies nur zu konservieren. Obendrein sind Schloss, Scheunen und Park das Epizentrum von „Wege durch das Land“. Die Hochkultur-Reihe lädt mit prominenten Künstlern, Literatur und Musik zu sommerlichen Landpartien ein. Wenn Elisabeth von Reden, Mutter von fünf Kindern und quirlige Organisatorin für den ganzjährigen Veranstaltungsreigen, eine Atempause braucht, erholt sie sich in der „Maxi Capsule“. Mitten im Obstbaumgarten verblüfft der feuerrote Container, den der Niederländer Joep van Lieshout auf der Biennale in Venedig 2003 präsentierte, innen als Lounge mit feudaler samtener Liegewiese: „Hier fühle ich mich für Momente ganz weit weg!“
Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Christa Hasselhorst
Fotograf:
Angela Franke