Hausmusik und Kulinarik

Musizieren mit Freunden

Volkslieder, Klassik oder Swing – die Hausmusik feiert ein erstaunliches Comeback. Bei einem Wochenendausflug in Schleswig-Holstein treffen sich Freunde und Familie zum gemeinsamen Singen, Musizieren, Kochen.   

Eingelullt vom Duft der frisch gebackenen Quarktaschen und der angenehm dahinswingenden Hausmusik, döst der sechs Wochen alte Tom nun schon seit Stunden zufrieden in seiner Babytrage und macht selbst dann keinen Mucks, als Thomas an seiner Hawaii-Gitarre zupft und lauthals „Hey good lookin'" von Hank Williams anstimmt.

An diesem frühlingshaften Sonntagnachmittag scheint sich die Zeit in Luft aufgelöst zu haben. Gefrühstückt wird, bis der Braten auf den Tisch kommt. Und beim Kaffeetrinken sitzt man zusammen bis in die Abendstunden. Es werden Volkslieder gesungen und Swing-Rhythmen gespielt. Nach Thomas’ Version von „Hey good lookin'" singt die Gruppe mit Stücken wie „Im Frühtau zu Berge“ und „Im Märzen der Bauer“ musikalische Hausmannskost. „Für mich ist das eine unglaublich entspannte Art, sich mit Musik zu beschäftigen“, sagt Klaus, der die kleine Trommel mit dem Jazz-Besen spielt.

Klaus ist einer der fünf Hamburger Freunde, die an diesem Wochenende mitsamt ihren Familien nach Nütschau gefahren sind, einem beschaulichen Dorf in Schleswig-Holstein, rund 50 Kilometer nördlich von Hamburg. Ein Schulfreund aus Kindertagen hat die Musiker-Clique eingeladen, das Wochenende auf seinem Landsitz zu verbringen – in einer bis ins letzte Detail perfekt restaurierten Kornwassermühle aus dem 18. Jahrhundert. Für die Freunde, die unter dem Namen „Ross Teuscher and his Porch Rockets“ gelegentlich auch als Band auftreten, ist die gemütliche Bleibe eine willkommene Abwechslung, um gemeinsam Zeit zu verbringen und den Alltag in der Großstadt hinter sich zu lassen. Das Wochenende mit den Bandmitgliedern und ihren Familien, die – bis auf die Kinder – alle zwischen 30 und 50 Jahre alt sind, passt zum Trend: Hausmusik und Volkslieder feiern zurzeit ein erstaunliches Comeback.

„Musik ist die Sprache der Leidenschaft“

CDs wie „Wenn ich ein Vöglein wär“ stürmen die Charts, bei Festivals treffen sich Tausende zum gemeinsamen Singen. Die neue Lust am Musizieren hat nichts mit der Strenge und Spießigkeit früherer Generationen zu tun. Vorbei die Zeiten, in denen das Singen deutscher Lieder als altbacken, gar reaktionär und das familiäre Musizieren als peinlich galten. Jetzt wird quer durch die Generationen gefiedelt, geklimpert und geträllert, und wehe dem, der seinem Kind die musikalische Früherziehung verweigert. Ganz so streng sieht es Britta, die Frau von Thomas, zwar nicht, dennoch ist es der Architektin wichtig, ihren zweieinhalbjährigen Sohn Fritz durch gemeinsames Singen früh an die Musik heranzuführen.

Während der Tag zu Ende geht und die ersten Nebelschwaden über die Wiese vor dem Reethaus ziehen, fangen die Männer an, ihre Instrumente zu verstauen. Normalerweise treffen sich Thomas (Hawaii-Gitarre), Martin (Gitarre), Tom (Akkordeon), Klaus (Schlagzeug) und Tom (Kontrabass) jeden Donnerstag zum Proben und Musizieren im Übungsraum; im Sommer manchmal auch auf der kleinen Terrasse von Thomas' und Brittas Wohnung im Hamburger Stadtteil Ottensen. „Doch ganz ehrlich“, sagt Klaus, „die sterile und kühle Atmosphäre des Übungsraums passt eigentlich gar nicht zu unserer Musik. Dafür ist diese abgeschiedene und wunderschöne Umgebung hier schon perfekt.“