Landschaftspark in Sachsen

Der Muskauer Park

Der Muskauer Park ist Deutschlands bedeutendster Landschaftsgarten – die grandiose Schöpfung des Fürsten Pückler-Muskau. Für sein romantisches Refugium versetzte der Adlige Berge, legte Seen an und pflanzte Hunderttausende von Bäumen.

Am östlichen Rand Sachsens schuf der Exzentriker Hermann Fürst von Pückler-Muskau in den Jahren 1815 bis 1845 den wohl bedeutendsten Landschaftspark außerhalb des Mutterlands dieser urbritischen Gartenspezialität und verwandelte seinen Besitz – „eine Art von Wüste, wo es nur Wölfe, Wildschweine, Bauern und Dummköpfe gibt“ – in ein Elysium. Seinetwegen kommen heute Tausende Touristen aus aller Welt in Sachsens einziges Unesco-Weltkulturerbe. Das Besondere der 830 Hektar großen Anlage: Sie wird durch die Neiße getrennt – ein Teil des Parks liegt in Sachsen, der andere in Polen.

Eine enge, kleine Straße führt vom unscheinbaren Marktplatz der Stadt zum Park – sie ist die Passage in ein Paradies, eine Welt außerhalb der Welt. Der Spaziergänger passiert das „Alte Schloss“, ein massiges, dennoch harmonisches barockes Torgebäude, und steht plötzlich an den Ufern eines Meeres aus den unterschiedlichsten, flirrenden Grüntönen. Der Blick schweift über sanft gewellte, weite Rasenflächen, denen uralte Baumriesen den Charakter einer melancholischen Zeitlosigkeit verleihen; er folgt breiten Kieswegen, die rund um einen fast schwarzen See hinüber zum Neuen Schloss führen. Man glaubt, mit der Stadt auch den Alltag hinter sich gelassen zu haben. Gleichzeitig ist man irritiert von einem Panorama, bei dem man nicht sicher ist, ob es sich um Kunst oder Natur handelt. Ist es wildes Wachstum oder Wissen eines kompetenten Gärtners? „Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst“, schreibt Pückler in seinen „Andeutungen über Landschafts­gärtnerei“, „ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein scheint.“

Vermutlich ist es jenes Vexierspiel Pücklers, das den besonderen Reiz dieses eher elegischen als heite­ren Parks ausmacht. Wie auf einer Bühne hat Pückler hier Natur inszeniert: weit ausladende Solitäre in Sichtweite, meist Buchen, Eichen, Linden, Ulmen­inseln in ferneren Partien, die mit ihren mächtigen Kronen einen immer leicht bewegten Horizont zeichnen. Dann wieder lockere Baumgruppen wie Ankerplätze im grünen Wiesenmeer, gesäumt von dichten Büschen, und ab und an ironische Ausru­fungszeichen wie beispielsweise die drei hohen, markanten Schwarzpappeln auf der Schlosswiese.

1 2 3