Der perfekte Tag

Angeln am Walchensee

Männer pflegen andere Vorlieben als Frauen. Einen Fisch zu angeln, gehört definitiv dazu. Dafür gibt es viele schöne Orte, einer der schönsten ist der bayerische Walchensee am frühen Morgen. Ein Vater mit seinem Sohn auf Beutezug.

Um ihn einmal so geheimnisvoll zu erleben, so still, glatt und dampfend, wie jetzt an einem Spätsommermorgen, muss man schon sehr zeitig aufstehen. Der Walchensee im bayerischen Oberland zwischen Herzogstand und Jachenau ist ein Verwandlungskünstler. Je nach Jahreszeit changiert er zwischen Türkis und Smaragdgrün. Und wenn er um sechs Uhr morgens so friedlich vor einem liegt, als könne ihn kein Wässerchen trüben, glaubt man kaum, dass hier nur wenige Stunden später Kitesurfer mit einem Affenzahn durch die von den thermischen Winden der umliegenden Berge aufgepeitschte Brandung gleiten.

Vor gut zwei Jahren hat es mich mit meiner Frau Helga aus der Stadt in die Jachenau verschlagen, ein stilles Tal, das an das Südufer des Sees grenzt. Unsere Nachbarn Klaus und Barbara Oswald sind mit ihren beiden Kindern schnell zu Freunden geworden. Für diesen Sommer haben wir uns fest vorgenommen, öfter einfach mal das Abendessen in einen Korb zu packen und damit an den See zu fahren. 

Das passiert manchmal ganz spontan und unaufwendig, wenn wir uns am Nachmittag verabreden und jeder seine Tupperdosen und ein kühles Bier einpackt. An einem der vielen um den See aufgestellten Holztische lassen wir uns dann nieder und genießen noch die letzten Sonnenstrahlen des Abends, wenn die Tagesausflügler aus München schon längst ihre Sachen zusammengepackt haben und samt ihren Autos verschwunden sind. Dann ist der Walchensee wieder „unser“ See.

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Clark Parkin