Handwerk am Starnberger See

Zu Besuch beim Bootsbauer

Seit fast 50 Jahren steuert Anton Dreher die Rambeck Werft am Starnberger See durch jedes Gewässer. Besonders der Holzbootsbau liegt ihm am Herzen. Marode Juwelen wie die „Wiking“ werden wieder flottgemacht.

Was treibt einen an, der bereit ist, für die Restaurierung eines völlig desolaten Holzbootes geschätzte 5000 Arbeitsstunden zu bezahlen, obwohl ein Nachbau unvergleichlich günstiger käme? Und was bewegt einen Werftbesitzer, vom Bootsbau nicht die Finger zu lassen, obwohl sich das heutzutage kaum mehr rechnet? Es muss die Leidenschaft rund ums Holz gepaart mit der Liebe zu Oldtimern sein. Ein solcher, original 40er Schärenkreuzer liegt derzeit in der Rambeck Werft am Starnberger See zur Runderneuerung. Wer je einen hat segeln sehen, kann das Unterfangen verstehen. Schon Uffa Fox, einer der bekanntesten englischen Schiffsbauer der 30er-Jahre, schwärmte, „wie diese Schiffe leicht und elegant gleich einer Seeschwalbe über die Wellen steigen“.

Als Anton Dreher 1963 die Werft am nördlichen Ende des Starnberger Sees von seinem Onkel übernahm, wusste er ganz genau, dass der Erfolg des 1883 gegründeten Betriebes nur Bestand haben konnte, wenn er in den Ausbau des Hafenbeckens investieren würde, um so Liegeplätze für die steigende Nachfrage der Hobbysegler zu schaffen. Eine Investition, die überlebensnotwendig war und ohne die es die Werft heute wohl nicht mehr gäbe. Aufträge für den Bau von Holzschiffen gab es längst schon nicht mehr genug – kostengünstige Plastikboote hatten den Bootsbau mit Beginn der 60er-Jahre zunehmend unrentabel gemacht.

Ans Aufhören dachte Anton Dreher dennoch nicht. Und die Alternative, sich auf Kunststoffboote zu verlegen? „Das wäre einem Sakrileg gleichgekommen“, sagt Dreher mit Nachdruck. Vor fünf Jahren bezog der 40er Schärenkreuzer „Wiking“ in Drehers luftiger Werkstatthalle Quartier – und bot, das zeigen die „Vorher“-Fotografien eindrucksvoll, einen schaurigen Anblick.

1924 in Berlin gebaut, verschleppten ihn russische Truppen 1945 als Kriegsbeute nach Leningrad, wo er vor zehn Jahren entdeckt wurde und schließlich über zahlreiche Umwege an den Starnberger See zu seinem jetzigen Eigentümer kam. Hier haben diese Oldtimer, deren Pläne ursprünglich aus den gleichnamigen schwedischen Gewässern stammen, eine große Fangemeinde – eindrucksvoll zu bewundern während der Traditionsklassen-Regatta „Münchner Woche“, die alljährlich im Sommer ausgetragen wird.

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Autor:
Tatjana Seel