Schloss Proschwitz

Weinprinz Georg Prinz zur Lippe

Gleich nach der Wende ging er nach Proschwitz bei Meißen, um das ehemalige Weingut seiner Familie wieder aufzubauen. Heute ist daraus das größte private Weingut Sachsens geworden.

Hat man sich inzwischen daran gewöhnt, dass Spitzenwein auch aus Sachsen kommt, oder ist das immer noch etwas Exotisches? Prinz zur Lippe: Ein wenig Exotik schwingt immer noch mit, aber seit der Wende erleben wir eine Renaissance des Weinbaus in Sachsen. Man besinnt sich hier wieder auf seine Stärken und ver­sucht, nicht zu kopieren.

Was sind Ihre Stärken? Weine, die gut gemacht sind, spiegeln Bo­den, Klima und Menschen einer Region wider. So entsteht ein authentischer Wein. Hier in Meißen haben wir einen Bo­ den aus Granit und Löss, also einen sehr feinen Oberboden mit hoher Wasserhalte­kapazität. Der Löss gibt dem Wein eine filigrane Fruchtigkeit, und der Granit lässt den Wein im Gaumen sehr lange nachklingen.

Wie viele Flaschen produzieren Sie pro Jahr, und welche Rebsorten verkaufen sich am besten? Knapp 500 000 Flaschen. Im Winter verkaufen wir deutlich mehr Spätburgunder, im Hochsommer mehr Elbling, im Früh­jahr und Herbst sind Weiß­ und Grauburgunder von großer Bedeutung.

Was sind die speziellen Bedingungen des Weinanbaus in Sachsen? Es gibt einerseits sehr heiße Sommer, andererseits starke Winterfröste, die wie vor drei Jahren eine ganze Ernte vernichten können. Das bedeutet, dass sächsische Weine niemals Durchschnittserträge wie in der Pfalz oder in Franken erzielen können. Umso mehr muss man sich hier also um Top­Qualität kümmern.

Was hat Sie kurz nach der Wende bewogen, Ihr altes Familiengut wieder in Schwung zu bringen? Meine Familie hat bis 1945 über acht Ge­nerationen in Sachsen gelebt, es gibt also eine lange Geschichte, an die ich gerne wieder anknüpfen wollte. Und dann hat mich die Chance gereizt, das Weingut Proschwitz mit seiner Tradition, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, wieder zu beleben und eine Landschaft neu zu gestalten.

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Autor:
Markus Kaiser