Seifenmanufaktur

Bärenstarke Seife

Eine saubere Sache: Seit 1840 fertigt die Manufaktur Klar in Heidelberg kostbare Seifen nach alten und neuen Rezepten – ohne künstliche Konservierungsstoffe.

Der Eisbär wurde im Laufe der Jahre zum Wappentier der Firma Klar.

Niels Klar steht an der Spindelpresse und legt einen nicht ganz ausgehärteten Seifenrohling in die eiserne Form. Zuvor hat er sie mit Glycerin ausgewischt – damit auch ja nichts kleben bleibt. Eine Handvoll Seifenmasse genügt für die meisten der Figuren, die seit mehr als 120 Jahren in der Manufaktur Klar geformt werden. Dann dreht der Chef am Antriebsrad des stählernen Ungetüms, und die Spindel presst mit einem Druck von über einer Tonne den Seifenquader zusammen. Wie Schnee quillt überschüssige Seife hervor. Beim Öffnen der Presse wird ein kleiner Eisbär sichtbar, den Niels Klar behutsam aus seinem Bett löst. Fingerspitzengefühl ist gefragt, damit er jetzt keinen Beinbruch oder eine demolierte Nase riskiert! „Mehr als zehn Figuren schafft man nicht in einer Stunde“, sagt der Fachmann. „Das hier ist so anstrengend wie intensives Krafttraining.“

 

Ein Duft von Riesling und Olive

 
Der Eisbär als Figurenmotiv und Wahrzeichen

Die Presse quetscht die Seife in ihre Stahlform. Ganz vorsichtig schält Niels Klar danach den Eisbären aus seinem Metallbett. So entstehen auch Löwen, Schafe, Matrosen und andere Figuren. 

Der Eisbär ist das Wahrzeichen von Klar und eines der schönsten Motive der Seifenmanufaktur, die Philipp Klar 1840 gegründet hat. Seifensieder war er, ging auf die Walz vom französischen Grasse bis ins ferne Sankt Petersburg, lernte Neues und gab sein Wissen weiter. Zurück in Heidelberg, machte er sich selbstständig. Während Philipp Klar noch Schmierseifen kochte, vergrößerte sein Sohn Theobald den Betrieb und schaffte 1890 die Spindelpresse an, auf der sein Urenkel noch heute Matrosen, Hasen oder Schafe presst. Mehr als 200 verschiedene Stahlformen liegen parat und kommen hauptsächlich für das Weihnachtsgeschäft zum Einsatz. Das Kerngeschäft sind klassische rechteckige oder runde Feinseifen aller Art: Badeseife, Rasierseife, Kinderseife, Gallseife – eineinhalb Millionen Stück pro Jahr. Auch wenn einige Maschinen mittlerweile Einzug gehalten haben, sind die meisten Fertigungsschritte nach wie vor Handarbeit. Heute entstehen Klars Seifen in einer großen Halle in Heidelbergs Industriegebiet Rohrbach Süd. Das war nicht immer so, doch im Zweiten Weltkrieg hatte eine Bombe den ursprünglichen Standort zerstört.
 
Niels Klar wuchs in Hamburg auf und studierte Maschinenbau. Als seine Onkel Klaus und Theo, die das Unternehmen seit 1975 führten, in Rente gehen wollten, war kein Nachfolger in Sicht. Neffe Niels wollte einfach nicht glauben, dass die Familientradition ein jähes Ende finden sollte. Wie oft hatte er den Großvater und später die Onkel in Heidelberg besucht. Wie gut hatte es immer nach Lavendel und Rosmarin, Oliven- oder Palmöl gerochen. Also zog Niels Klar mit seiner Frau und den Töchtern nach Heidelberg. 2006 übernahm er den Betrieb und machte sich sogleich an die Arbeit, den Betrieb ins neue Jahrtausend zu führen. Dabei setzte er auf die Schönheit und Qualität des ehrlichen Handwerks und stellt seitdem alle Seifen ohne künstliche Konservierungsstoffe und Tierversuche her.
 
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Inge Ahrens