Leben in der Oberlausitz

Sachsen und Sorben

Die sächsische Oberlausitz mit ihren alten Dörfern ist die Heimat der Sorben. Die slawischstämmige Bevölkerung hält seit Jahrhunderten an ihrer eigenen Sprache und Tracht, ihren Sitten und Sagen fest. Auf Streifzug durch eine einzigartige Gegend, in der Brauchtum nicht Tourismusfolklore, sondern gelebter Alltag ist.

 

Flache Heide und sanfte Hügel prägen die Landschaft östlich der sächsischen Elbe. Wer zum ersten Mal die Bauerndörfer im Städtedreieck Hoyerswerda, Bautzen und Kamenz besucht, taucht ein in eine fremde, faszinierende Welt. Überall zweisprachige Ortsschilder: Schleife, Ralbitz, Cunnewitz, Schönau und Crostwitz. Oder auf Sorbisch: Slepo, Ralbicy, Konjecy, Šunow und Chrósćicy. Daneben ist die Fülle religiöser Symbole bemerkenswert: Blumengeschmückte Kruzifixe, Bildstöcke und vom Wind glatt geschliffene Steinkreuze säumen den Weg. Kirchen und Kapellen sind bestens erhalten, ihre Toreingänge sauber gefegt. Der Besucher reist offensichtlich durch eine sehr fromme Gegend, in der die sorbische Bevölkerung ihre Traditionen bewahren konnte. Sie hat sowohl den rassistischen Terror der Nationalsozialisten im Dritten Reich als auch die religionsfeindliche Politik und Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der DDR überstanden.

Die Geschichte der Sorben in Deutschland lässt sich 1400 Jahre lang zurückverfolgen. Im Zuge der Völkerwanderung verließen westslawische Stämme ihre Heimat nördlich der Karpaten und siedelten sich zwischen Ostsee und Erzgebirge an. Ihre heutigen Nachfahren sind als nationale Minderheit anerkannt. In der brandenburgischen Niederlausitz sind die Niedersorben zu Hause. Die Kultur der sogenannten Wenden ist eher evangelisch geprägt. In der sächsischen Oberlausitz lebt dagegen die größere Gruppe der überwiegend katholischen Obersorben. Die Gesamtzahl beider Bevölkerungsteile wird auf derzeit noch 60.000 Menschen geschätzt. Der renommierte sorbische Schriftsteller Jurij Koch schreibt über die Identität der Sorben: „Nach 1400 Jahren gemeinsamer Nachbarschaft mit den Deutschen haben sich die Nationalitäten vermischt. Heute kann niemand mehr genau sagen, wie viele Sorben es eigentlich gibt, nicht einmal die Sorben selbst. Wer ist überhaupt Sorbe? Jemand, der sorbische Eltern hat? Oder jemand, der Sorbisch spricht? Das bindende Kriterium ist das Bekenntnis.“