Das sächsische Dorf Seiffen

Nussknackers Heimat

Nussknacker, Räuchermännchen und Pyramiden aus Holz sind weltweit als deutscher Weihnachtsschmuck berühmt. Erfunden haben sie die Einwohner von Seiffen. Das sächsische Erzgebirgsdorf hat sich seit Jahrhunderten dem Holzkunsthandwerk verschrieben.

Der Papa lächelt. Mit ausgestrecktem Finger deutet er auf eine Weihnachtspyramide, in der sich bei Kerzenlicht kleine Posaunenengel drehen. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler steht neben ihm und lächelt ebenfalls. Ein Pressefoto hat diese Szene in Rom vor wenigen Jahren festgehalten, jetzt schmückt das Bild die Atelierwand der Erzgebirgischen Volkskunst Richard Glässer GmbH in Seiffen. Klaus Hübsch hat es dort aufgehängt. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass der Bundespräsident als Geschenk für Benedikt XVI. eine Pyramide aus unserem Sortiment ausgewählt hat“, erzählt der 60-jährige Leiter der Manufaktur. Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge beim Heiligen Vater im Vatikan!

Durch die Gabe an den Papst können sich im Grunde alle knapp 2400 Bürger von Seiffen geehrt fühlen. „Ob über die Herstellung, den Verkauf oder den Tourismus – 90 Prozent der Einwohner hängen wirtschaftlich an der Volkskunst“, rechnet der Seiffener Tourismusvereinschef Mirko Börner vor.

Rund 150 Werkstätten und Geschäfte für Holzkunsthandwerk gibt es im Ort. An der Hauptstraße, die sich zwischen Berghängen durch Seiffen schlängelt, ist fast jedes Fenster und jede Tür mit Figuren dekoriert. Vor allem Nussknacker in roter Uniform, rauschebärtige Wichtel und Bergmänner mit schwarzer Jacke und grüner Kappe sind allgegenwärtig. Jede Werkstatt hat einen eigenen Stil. Das Angebot reicht von Miniaturfiguren, die nicht größer als ein Fingernagel sind, bis zu mannshohen Holzpyramiden. Die Preise reichen von Cent- zu vierstelligen Euro-Beträgen.

Seit ungefähr 300 Jahren liefern die Seiffener Holzspielzeug und Weihnachtsdekorationen in alle Welt. „Spielzeugwinkel“ wird das entlegene Siedlungsgebiet am Erzgebirgskamm in 650 Meter Höhe über dem Meeresspiegel auch genannt. Im Dezember, wenn der Weihnachtsmarkt geöffnet hat und die Bergknappschaften und die Kindertrachtengruppe Lebendiges Spielzeug ihre Festumzüge veranstalten, strömen mehr als 100.000 Besucher nach Seiffen herauf, um die berühmte Handwerkstradition zu bestaunen.

 

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Quelle:
Autor:
Felix Johannes Enzian