Perfekte Handwerksarbeit

Meister-Stücke

Ein erfolgreicher Schreiner und ein berühmter Designer können auf dem Land endlich die Möbel machen, die sie schon immer bauen wollten: massiv, schlicht, handwerklich perfekt und schön.

Der eine ist weltweit bekannter Designer, der 15 Jahre lang das Industrial Design von Siemens verantwortete und noch länger für den Küchenhersteller Bulthaup Systemmöbel entworfen hat. Der andere, gelernter Mathematik- und Sportlehrer, fand mehr Freude am Schreinerhandwerk und sattelte um.

Kennengelernt haben sie sich in den Sechzigern in einer legendären Studentenkneipe, in der Arbeit zusammengefunden aber erst über 40 Jahre später. Da entdeckten der Designer Herbert Schultes und der Schreiner Friedrich Reich, dass sie nach einem langen erfolgreichen Berufsleben das Gleiche anstrebten: kein „Glump“ machen, falls das je der Fall gewesen sein sollte, sondern eine gewisse Kompromisslosigkeit in der Arbeit, die sie sich jetzt gestatten wollen. Gemeinsam haben sie im Sommer eine kleine Möbelkollektion vorgestellt, die mit Schönheit, Handwerk und mathematischer Klarheit beeindruckt. Sieben Möbelstücke sind es bis jetzt. Alle aus Massivhölzern wie Eiche oder Ahorn traditionell hergestellt und in der Form, wie die beiden hoffen, „so zeitlos, dass man sie nicht wegwirft“.

Ihr Studio liegt in einem umgebauten Stall im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck, versteckt hinter Maisfeldern und kleinen Wäldern. Auf dem Weg verpasst man leicht die Abzweigung im Örtchen Biburg. Das sei allen gesagt, die sich dorthin aufmachen wollen, denn die Möbel werden nur im Studio verkauft. „Drei- bis viermal am Tag wird uns erzählt, wir seien blöd, weil wir nicht übers Internet vermarkten wollen“, sagt Schultes. „Mindestens“, bestätigt Reich. Nicht dass sie technische Probleme hätten, sie kennen sich auch aus mit komplexer Software für Fräsmaschinen und computergesteuertem Design. Zwischenhandel, sagen sie, würde so hohe Kosten auslösen, dass sie die Möbel viel teurer verkaufen oder aber an der Qualität sparen müssten. So ein „Schmarrn“ kommt nicht infrage, schon gar nicht in diesem Lebensabschnitt. Lieber arbeiten sie für wenige Kunden, die auch mal auf ein Glas Wein vorbeischauen, nach Maß.

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Autor:
Anne Urbauer