Handwerk: Decoupagen

Märchenhaft ausschneiden

Die Münchner Kostümbildnerin Eva Kantor schmückt Möbel und Accessoires kunstvoll mit Decoupagen aus Papier.

Alles begann mit einem Geschenk

Vor gut elf Jahren zog unerwartet ein alter Medizinschrank bei Eva Kantor ein. Da die Kostümbildnerin von Berufs wegen immerzu Schönes mit ihren Händen erschafft und mit einer ausgeprägten künstlerischen Begabung gesegnet ist, stand dem prosaischen Zweckmöbel eine große Verwandlung bevor. Eva Kantor verpasste ihm ein buntes papiernes Innenleben mit Che-Guevara-Motiven, beklebte ihn mit Blüten und strich ihm die Füße rot. Am Ende überzog sie sein neues freches Kleid mit klarem Lack. Fertig war die Decoupage.

Decoupage ist eine Ausschneidetechnik. Die Motive aus Papier werden auf Möbel und Accessoires aufgebracht. Wahrscheinlich haben schon die alten Chinesen Gefallen an diesen Klebearbeiten gefunden. In Europa erreichte die Fertigkeit im 17. und 18. Jahrhundert ihren Zenit. War es doch billiger, bereits fertige Zeichnungen oder Drucke auf Möbel zu applizieren, statt sie von Malern auftuschen zu lassen. Am Hof der Königin Marie Antoinette sollen für Decoupagen sogar erotische Malereien zerschnitten worden sein. In England hieß der Zeitvertreib adliger Damen damals „The Ladies Amusements“. Eva Kantor findet Möbel und Motive heute meist auf Flohmärkten. Darum nennt sie ihre fertig dekorierten Unikate auch „Beutestücke“.

Sie sind fantastisch schön, fast etwas märchenhaft. Im Wohnzimmer steht vor dem Kamin eine Bank, verziert mit einer alten handcolorierten Triester Hafenszene. Pfauen posieren auf azurblauem Grund und machen aus einem alten Küchenhocker ein Schmuckstück. Dicke Zitronen reifen auf blutroten Sitzflächen, Pin-up-Blondinen räkeln sich auf Tischplatten, Fische und Südsee-Piraten nehmen behäbigen Sofatischen ihren Beistellcharme.

Quelle:
Autor:
Inge Ahrens