Hausbesuch auf der Elbinsel Krautsand

Landleben wie im Bilderbuch

Auf Krautsand lässt der Künstler Jonas Kötz seiner Kreativität freien Lauf. Und seine Familie will nicht mehr in die Stadt zurück. 

Der kleine Kerl mit Kugelbauch blickt arglos in die Ferne. Die Knollennase frohgemut in die Höhe gereckt, trotzt er der steifen Brise von der Nordsee. Ein Hans-guck-in-die-Luft und Träumer, der aber mit beiden Beinen auf der Erde steht. 

„Ich mag diese dicken Unbedarften, sie sind mir lieber als die geraden Schönen“, sagt Jonas Kötz, Schöpfer der gedrungenen Holzfigur, die auf dem Deich der Elbinsel Krautsand steht. Das Atelier des Künstlers, eine Scheune von kathedralenhaftem Ausmaß, liegt nur wenige Schritte entfernt.

In dem denkmalgeschützten Reetdachgebäude und auf der großen Arbeitsterrasse zum Garten entstehen die typischen Kötz-Gestalten, die, mal handlich klein, mal überlebensgroß auf Stelen geschnitzt, bundesweit Gärten und Räume privater Sammler, Foyers und öffentliche Anlagen bevölkern. Der Bildhauer fertigt sie aus alten Dallen.

„Runde mag ich lieber als schöne Gerade“

Das sind schwere Pfähle aus Bongossieholz, die einst in Hafenanlagen als Schiffsanleger dienten. Woher er sie bekommt, bleibt sein Geheimnis. Am liebsten mache er Männer mit Glatze, erklärt der 43-jährige Künstler und streicht über das glatt geschliffene Haupt eines Männchens. „Frauen funktionieren nicht so gut. Die brauchen Haare und sind nicht so schön zum Anfassen.“

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