Fahrräder

E-Bikes und Welträder

Die Renner der Saison: Wo findet man sein wirkliches Lieblingsrad? COUNTRY stellt vier Manufakturen vor, die besondere, von Hand gefertigte Modelle produzieren. Plus: neue Räder, die schönsten Accessoires und Touren.

Draußen ziehen sich weite Wiesen bis zum Elbdeich, dazwischen reetgedeckte Scheunen, rote Backsteinhäuser. Es duftet nach feuchter Erde, friedlich grasen ein paar Kühe. Drinnen faucht der Lötbrenner wie ein Drache. Ein beißender Geruch liegt in der Luft, Rudolf Pallesen ist in seinem Element: Mit Schutzbrille und grauem Overall lötet er Stahlrohre zusammen. Hier, im ehemaligen Hühnerstall direkt hinter seinem Wohnhaus, 20 Kilometer nördlich von Hamburg, betreibt der 46-Jährige eine der feinsten Fahrradmanufakturen Deutschlands: Norwid. Nor wie der Norden, wid wie althochdeutsch für Wald. Ein Kunstname. Passend zu den Kunstwerken, die der Elmshorner erschafft. Räder ganz nach Maß gefertigt, jedes so einmalig wie der Mensch, für den es gemacht ist.

Normalerweise ist es beim Radkauf oft so: Da werden Lenker und Sattel so lange hin- und hergestellt, bis der Fahrer halbwegs zum Fahrrad passt. Bei Norwid ist es genau umgekehrt. Wie ein Maßschneider vermisst Rudolf Pallesen jeden Kunden genau, berechnet aus Körpergröße, Schrittlänge und persönlichen Vorlieben in puncto Körperhaltung und Fahrweise die idealen Rad-Maße. Und baut dann jeden Rahmen selbst. Das ist ganz selten in Deutschland, die meisten Rahmen werden heute in Fernost hergestellt, selbst die ganz hochwertigen. Vorteil der Maßanfertigung: Man sitzt von Anfang an perfekt, auch auf längeren Fahrten schmerzt weder der Po noch zwickt es im Rücken, das Rad rollt nur so dahin. Und natürlich kommt noch etwas anderes dazu: die Freude, etwas ganz Besonderes zu besitzen.

Rund 150 bis 200 Unikate entstehen in Neuendorf jedes Jahr – Reiseräder, Rennräder, Freizeiträder, was der Kunde wünscht. 1992 übernahm Pallesen, der schon als Schüler wusste, dass er Rahmenbauer werden will, das Geschäft von seinem Ausbilder. Inzwischen hat er zwei Angestellte und sich gerade eine Werkstatterweiterung und einen neuen Verkaufsraum gegönnt. Die Geschäfte laufen gut, obwohl ein Rad von Norwid zwischen 2000 und 4000 Euro kostet, während ein ordentliches von der Stange schon für 600 bis 800 Euro zu haben ist.

Vielleicht ein Grund dafür: Radfahren ist der beliebteste Freizeitsport der Deutschen – und mit einem besonderen Rad macht es einfach noch mehr Spaß. 2,8 Räder kommen hierzulande im Schnitt auf einen Haushalt, mehr als je zuvor. Insgesamt sind 69 Millionen Drahtesel zwischen Nordsee und Alpen unterwegs. Autos dagegen gibt es nur gut 42 Millionen. 41 Prozent der Deutschen fahren mehrmals pro Woche Rad, 15 Prozent sogar täglich – zum Einkaufen, zur Arbeit oder einfach nur zum Spaß.

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