Darß: Tradition und Handwerk

Die Türenmacher

An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns pflegen die Brüder Roloff in sechster Generation das Handwerk der Darßer Haustüren. Mit ihrer Tischlerei verschaffen sie der Tradition ein farbenfrohes Entree.

Die Arbeit mit dem Schweifhobel ist etwa so amüsant wie das Unterfangen, einen ganzen Baum nur mit der Handsäge in Bretter zu schneiden. Deshalb nennt man den Schweifhobel in Tischlerkreisen auch „Schinder“. Aber was hilft’s? Für bestimmte Arbeiten, wie das Nacharbeiten besonderer Profile, ist er so wichtig und unersetzlich wie ein Hammer zum Nageleinschlagen.

In der kleinen, versteckt liegenden Schreinerei von Dirk und René Roloff in Prerow an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns erwartet den Besucher gleich die Großfamilie des „Schinders“: Hunderte Hobel, Beitel, Raspeln, Feilen, Klingen und ähnliche Gerätschaften, die man in High-Tech-Tischlereien bestenfalls als Antiquitäten hinter Glas bestaunen kann. Doch ohne diese Raritäten könnten die beiden Brüder ihre Meisterstücke gar nicht herstellen. In sechster Generation hat sich der Familienbetrieb auf traditionelle Darßer Haustüren spezialisiert. „Wir arbeiten nach historischen Vorbildern, und da kommt es besonders auf die vielen Details an“, sagt René Roloff, während er sich mit einer Tür beschäftigt, die ein hölzernes Sonnenmotiv schmücken soll. Unterstützt werden die Brüder von ihrem Gesellen Steffen Bläsing.

An einem Ort wie der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, wo die See zu allen Jahreszeiten ihre Brise unerbittlich um die Häuser schickt, wären Standardtüren in Leichtbauweise auf Dauer so stabil wie Regenschirme im Sturm. Hier müssen Eingänge so robust und wetterfest wie Schiffsluken sein, solche, die auch noch die Enkel und Urenkel in ihren Häusern zuverlässig vor Wind und Wetter schützen. Aber auf dieser Halbinsel überzeugen Türen nicht nur durch Zweckmäßigkeit, sie sollen auch schön aussehen. „Im Laufe der Geschichte haben die Farben, Elemente und Formen ihre besondere Bedeutung erhalten“, sagt Tischler René Roloff.

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Autor:
Martin Lagoda