Wein

Die Rebstockpaten

Abhang mit Perspektive: Rebstockpaten helfen steile Weinberge an der Mosel zu erhalten. Das ist nicht nur wegen der exzellenten Weine wichtig, sondern auch fürs Klima und die biologische Vielfalt.

Martin Müllen

Martin Müllen aus Traben-Trarbach ist einer von zwei Moselwinzern, die über die Internetseite von Slowfood (www.slowfood.de) Rebstockpatenschaften vergeben (jährlich 65 €). Müllen bewirtschaftet mit dieser Hilfe einen jahrhundertealten Weinberg, den es sonst nicht mehr gäbe.

COUNTRY: Warum ist es schwierig, Steillagen wie Ihren Trarbacher Hühnerberg zu bestellen?

 MARTIN MÜLLEN: Sie müssen dort alles per Hand machen, weil das Gelände für Maschinen zu steil ist. Und gerade das wirkt der Erosion entgegen: Das Erdreich wird gefestigt, aber nicht von Schleppern zusammengedrückt, was das Fortschwemmen der Erde bei Regen begünstigt. Allerdings ist Handarbeit nicht rentabel: Mein Vorgänger ließ den Weinberg deshalb verwildern.

Weinstock

Steillagen sind schwierig zu bestellen, weil das Gelände für Maschinen zu steil ist – und Handarbeit ist nicht rentabel. 

Was wären die Folgen gewesen, wenn Sie nicht eingegriffen hätten? Zum einen hätte es den erstklassigen Wein nicht mehr gegeben, den der Hühnerberg liefert. Zum anderen kühlt sich das Gelände ab, wenn sich der Wald einen Weinberg zurückholt, weil dann der Boden im Schatten liegt und sich nicht mehr aufheizen kann. Insekten und andere Tiere, die die Wärme brauchen, verschwinden. Seit wir hier Gestrüpp und meterhohe Tannen ausgeholzt haben, ist es wieder viel wärmer geworden – das ganze Mikroklima hat sich verändert, und viele Vögel nutzen die bessere Thermik. 

Ein Rebstockpate unterstützt einen Winzer und trägt zum Artenschutz bei. Hat er auch etwas Nicht-Ideelles davon? Wir geben jedes Jahr für die Paten ein Fest mit Weinbergsbegehung – und machen einen speziellen Wein, von dem jeder Rebstockpate, je nach Ergiebigkeit des Jahrgangs, zwei bis sechs Flaschen bekommt. Natürlich bieten wir auch im freien Verkauf Rieslinge vom Hühnerberg an – aber eben nicht den ganz besonderen Patenwein.

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