Restaurierte Erbstücke

Die Kirschholz-Kommode

Tradition bewahren: Menschen über Dinge, an denen ihr Herz hängt. Den Anfang macht Anne Urbauer, Chefredakteurin von COUNTRY.

Kirschholz-Kommode

Das wurde restauriert: Als ich nach dem Abitur zu Hause ausgezogen bin, hat mir meine Mutter diese Kirschholz-Kommode geschenkt, die seit rund 150 Jahren in unserem Bauernhof im Chiemgau stand. Sie sah schlimm aus, nie hätte ich gedacht, dass sie je wieder so gut in Schuss sein würde. Nach einem missglückten Versuch (Geiz …) bin ich vor sechs Jahren zu einem Biedermeier-Fachmann gegangen, Helmut Schäffner in München. Die honigfarbenen Furniere hatten sich gelöst und wurden mit Hautleim unterspritzt und neu verklebt. Die abgenutzten Leisten, auf denen die Schubladen nicht mehr richtig liefen, wurden erneuert. Zwei Füße, die der Holzwurm zerfressen hatte und die kleinen schwarzen Säulchen, die abgebrochen waren, wurden nachgebaut und ersetzt. Die verloren gegangenen Beschläge hat Helmut Schäffner neu aus Metall gesägt und schließlich das Furnier mit Schellack lackiert.

Kosten: rund 2000 Euro. Damals schien mir das viel, heute ist das längst vergessen. Ich freue mich jeden Tag an ihr.

Ihre Funktion heute: Sie ist, wie ich, vom Landei zur Städterin geworden. Eine Schublade beherbergt Tischwäsche, die andere Kleidersäcke, die mein Mann und ich auf unseren Reisen mitnehmen. Das hätten sich meine Vorfahren im Biedermeier auch nicht träumen lassen: Dass das, was in ihrer Kommode liegt, um die Welt fliegt. Ich würde mich nie von ihr trennen.

Der Restaurateur: Antiquitäten am Alten Hof, Sparkassenstraße 11, 80331 München, www.am-alten-hof.de