Hausbesuch am Bodensee

Der Umbau einer alten Mühle

Nahe dem Bodensee reduzierten Christoph Keller und seine Frau Christiane Schoeller ein altes, etwas verschandeltes Mühlenanwesen auf seine architektonische Substanz. Und weil zu dem Anwesen ein Brennrecht gehört, wurde aus dem Verleger Keller ganz nebenbei auch noch einer der besten Brenner der Welt.

Dem ortsansässigen Bauleiter hatte es erst mal die Sprache verschlagen. Der Grund: Christoph Keller und seine Frau Christiane Schoeller wollten den schicken Hochglanz-Chinaschiefer, der den großen Mühlraum optisch dominierte, rauswerfen und ausgerechnet durch Gussbeton ersetzen – ein Material, das damals, wir schreiben das Jahr 2004, als Bodenbelag im Schwäbischen weder populär noch gut handhabbar war. Ob das mit dem „Verlegen“ überhaupt funktionieren würde?

Es funktionierte. Zusammen mit Andreas Reuter von „Sabarchitekten“ aus Basel realisierten die Kellers ein schnörkelloses Wohnkonzept, das konsequent dem Leitmotiv Reduktion folgte: „Was wir vorfanden, waren: Blümchentapeten, flauschige Teppichböden, dunkles Holz, Hirschgeweihe“, erinnert sich Christiane Schoeller. „Was wir wollten“, ergänzt Keller, „war, die Architektur des Mühlenanwesens in ihrer puren Schönheit freilegen.“ Radikal, ohne Kompromisse.

Eine Anzeige im Immobilienteil der „Welt“ hatte die Kellers 2004 von Frankfurt in die sanften Vulkanhügel des oberen Hegaus gelockt, einen Landstrich zwischen Schwäbischer Alb, Schwarzwald und Bodensee. Zu dem Haupthaus samt Ställen, Remisen und Mühlturm am malerischen Münchhöfer Mühlenbach gehörte noch ein ehemaliger Schweinestall, den ein Landwirt in den 70er-Jahren aus den USA importiert hatte. „Und“, betont Keller, „alter Baumbestand, den uns ein Neubau-Grundstück nie hätte bescheren können.“

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