Menschen und Handwerk

Der Sensenmann

Bei Kälte wird die Ernte eingefahren: Harald Benett ist einer der letzten Reetbauern im Land.

Reeternte

Winterstürme dürfen Wasser und Eis noch nicht in die Trave drücken, windstill muss es sein und vor allem trocken und frostig. Dann steigt Harald Benett, 46, aus Israelsdorf bei Lübeck auf seine Erntemaschine, startet den VW-Käfermotor und rumpelt über die Wiesen. Das Ungetüm mit der riesigen Gummiwalze aus vulkanisierten Förderbändern musste er selber bauen, denn Benett hat einen Beruf, den es eigentlich gar nicht mehr gibt: Er ist Reetbauer, einer der letzten im Land. 

Der traditionelle Baustoff zum Decken von Dächern wächst bei ihm auf zehn Hektar, geerntet wird zwischen Dezember und März. „Nur aus Geldgründen mache ich das nicht“, sagt der Landwirt, „ich möchte auch eine Tradition bewahren.“ Benett hat das Reetschneiden von seinem Vater gelernt und der wieder von seinem Vater. In Schleswig-Holstein gibt es vielleicht noch zehn Reetbauern, schätzt Benett. Das Gros des Schilfrohrs kommt heute aus China, Rumänien oder Ungarn. Aber auch verstärkt wieder aus Deutschland, nachdem einheimisches Reet eine Zeit lang als anfällig für zerstörende Mikroorganismen galt. 

Benett war schon immer gut im Geschäft: Er hat feste Abnehmer in der Region, Hausbesitzer und Dachdeckerbetriebe. Und selbst wer nur seinen Vögeln ein Reetdach über dem Kopf geben will, ist bei ihm herzlich willkommen. Harald Benett, Tel. 0451/707 01 77.