Handwerk in Sachsen

Das Umgebindehaus

In den Zittauer Bergen, im äußersten Zipfel Sachsens, hat sich eine eigentümlich schöne Architektur erhalten: das Umgebindehaus. Manchmal versteckt es seine besonderen Reize unter schnödem Putz.

 

Christian Tannhäuser dachte, er hätte ein Fachwerkhaus erworben. Doch als der Archäologe an seinem neuen Heim den Verputz und Steinwände entfernte, erlebte er eine Überraschung: Zum Vorschein kam ein gut erhaltenes Umgebindehaus aus dem 18. Jahrhundert. „Wenn man ein altes Haus kauft, muss man mit allem rechnen“, weiß der Mittdreißiger inzwischen. In seinem Fall allerdings hatten nicht einmal die örtlichen Denkmalschützer den Fund erwartet.

Noch rund 19 000 Umgebindehäuser sind heute im Grenzgebiet Sachsen-Polen-Tschechien zu finden. Für diese internationale Region wurde die Bezeichnung „Umgebindeland“ eingeführt. Etwa 6000 der traditionellen Bauten konzentrieren sich in der sächsischen Oberlausitz. Vor allem im Zittauer Gebirge stehen viele der reizvollen Häuser, die man als Fachwerk auf Stelzen beschreiben kann. Großschönau, Obercunnersdorf oder Oybin heißen einige ihrer Heimatorte. Christian Tannhäuser hat sein Kleinod im Dorf Melaune bei Görlitz entdeckt. Und auch in der Sächsischen Schweiz, vor allem in Hinterhermsdorf, gibt es noch knapp 300 Umgebindehäuser.

Was den Haustyp charakterisiert, ist die besondere Mischbauweise aus Holz, Lehm und Natursteinen. Das Erdgeschoss teilt sich üblicherweise in die aus Blockbalken gezimmerte Wohnstube und den aus Feldsteinen gemauerten Wirtschaftsraum. Um beide schmiegt sich eine hölzerne Stützkonstruktion mit senkrechten Pfeilern und einem waagerecht aufliegenden Rahmen: Das ist das Umgebinde. Auf ihm ruht das Obergeschoss aus Fachwerk oder – bei eingeschossigen Häusern – das Dach.

 

Quelle:
Autor:
Felix Johannes Enzian