Handwerk

Das geerbte Gemälde

Gänse marsch! An Erbstücke knüpfen sich Geschichten und Geheimnisse – so auch an das Gemälde von Leserin Anke Bachmann aus der Holsteinischen Schweiz. 

Gemälde

Als die Urgroßmutter von Anke Bachmann um 1890 ein Bild bei ihrem Lieblingsmaler ArthurBell in Auftrag gab, wünschte sie sich ein Ölgemälde, das eine Landschaft in der Eifel darstellt. Groß war allerdings ihre Enttäuschung, als er ihr stolz das Ergebnis präsentierte. Das Bild erschien der jungen Mutter von drei Kindern zu düster und leblos. Sie gab das Gemälde an Bell zurück, mit dem Auftrag, er möge einige Gänse in die hügelige Landschaft setzen.

Sie war der Überzeugung, das würde mehr Atmosphäre schaffen und dem Bild Leben einhauchen. Gegen den heftigen Widerstand des Künstlers setzte sich die Auftraggeberin letztendlich durch. So kam es, dass seither sieben Gänse mit einem recht amüsierten und damit für Gänse eher untypischen Gesichtsausdruck durch das Gemälde „spazieren“.

Gemälde

Anke Bachmanns Urgroßmutter hat das Gemälde 1890 bei ihrem Lieblingsmaler in Auftrag gegeben.

Das Kunstwerk fand damals einen gebührenden Platz über dem Sofa im Salonder Emaillierwerk-Besitzer. „Ursprünglich war es mit einem schweren, in schwarzem Klavierlack gestrichenen Holzrahmen gerahmt“, erzählt die heutige Besitzerin des Erbstücks.

Doch ihrer Großmutter, in deren Besitz das Bild in den 40er-Jahren übergegangen war, fand Schwarz wohl nicht besonders passend. Sie ließ deshalb den Rahmen mit einer besonderen Technik grün marmorieren. „Mir hätte ja der schwarze Hochglanzlack besser gefallen“, schmunzelt die 40-Jährige, in deren Wohnzimmer das Bild heute hängt. Nachdem es von der Großmutter an Anke Bachmanns Vater vererbt worden und letztlich in den 80er-Jahren als unmodern im Keller gelandet war, hatte Anke Bachmann es 2007 wieder entdeckt. Seitdem besitzen die lächelnden Gänse einen neuen Ehrenplatz – in ihrem Haus!

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Quelle:
Autor:
Daniela Jannink