Urlaub in Gargellen

Berghotel Madrisa

In dritter Generationen betreibt Familie Rhomberg ein Berghotel im österreichischen Montafon. Benannt ist es nach der Madrisa, dem mächtigen Wahrzeichen über dem Gargellener Tal. Gäste schätzen den Luxus mit Patina. 

Stille. Nur das Murmeln des Quellwassers auf seinem Weg zum Gandasee. Vor uns: Nebelfelder wie Zuckerwatte. Sie geben den Gipfel der sagenumwobenen Madrisa im Vorarlberg immer nur in Puzzleteilen frei. Einst, so erzählt man sich drüben auf der Schweizer Seite, habe hier oben eine Jungfrau, die mit dem Teufel im Bund stand, einen Jäger verführen wollen. Doch der durchschaute den Plan, worauf sich der Berggipfel vom Höllenzorn auf ewig schwarz färbte.

Die mystische Bergwelt des Montafon fühlt man am besten mittendrin. Zwischen Moosteppichen und Wiesen voller Almrausch und Rittersporn, aus denen schroffe Felsmassive emporwachsen. Oben recken sie ihre Nasen in den Himmel wie die Steinriesen bei Tolkien. Das möchten wir ins Bild bekommen, doch seit gestern regnet es fast ohne Pause. Mit der Seilbahn haben wir uns trotzdem vor gut zwei Stunden von der Talstation in Gargellen nach oben gewagt. Den mitleidigen Blick des Einheimischen beim Einstieg in die Gondel ignoriert. Haben abgewartet, der Quelle beim Gurgeln gelauscht und heimlich an heiße Schokolade gedacht. Vergeblich.

Luxus auf den zweiten Blick

Die Sache mit dem Foto hat an diesem Tag nicht mehr hingehauen. Berge und Natur lehren Demut, aber die heiße Schokolade haben wir uns nach dem Abstieg über die Obwaldhütte gegönnt. Im Hotel Madrisa, das nach dem Berg, der sich vor uns versteckt hält, benannt worden ist. Zusammen mit einem großen Stück Sachertorte, die täglich frisch vom hauseigenen Patissier zubereitet wird und mit der ersten Gabel süchtig macht. Monika und Bertram Rhomberg führen das Hotel gemeinsam mit Bertrams Eltern, Hans Karl und Cecilia, genannt Lilly, in der dritten Generation. Und das machen sie offenbar so gut, dass Familien aus England oder gar Australien seit bald einem Jahrhundert in dieses entlegene Tal an der Grenze zur Schweiz reisen. „Viele Gäste sind mit uns aufgewachsen“, erzählt Rhomberg. „Haben mit mir die geheimsten Winkel des Speichers beim Versteckspielen kennengelernt.“ Heute kommen sie immer noch und bringen die eigenen Kinder mit. Für Bertram Rhomberg gibt es kein schöneres Kompliment. Er nennt es den Generationsgedanken: „Wir sind nicht der schicke Arlberg. Wir wollen das Alte pflegen und erhalten, und genau so ein Publikum haben wir auch!“

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Tatjana Seel