Radkauf

Fully oder Hardtail?

Der Kauf eines Mountainbikes wurde für COUNTRY-Mitarbeiterin Tatjana Seel zur Odyssee durch Bike Shops. Bis sie im Internet fündig wurde.

Mountainbike fahren

Ich stehe in der Garage und denke nach. Draußen warten Mann und Sohn: Sie haben auf eine erste Fahrradtour durch die milde Frühlingsluft gedrängt, haben eine Brotzeit eingepackt und sich eine Route entlang der Isar ausgedacht. Doch nun ist mein Fahrrad verschwunden. Seit wann es fehlt, kann ich nicht einmal sagen.

Um es kurz zu machen: Das Fahrrad tauchte nicht mehr auf. Ich beschloss, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und endlich ein gutes Mountainbike zu kaufen. Eines, das die steilen Hügel im bayerischen Voralpenland quasi von alleine schafft. Womit die Odyssee durch diverse Fachgeschäfte und Bike Shops im Landkreis begann. Im ersten fragte man mich, ob es ein „Fully“ oder ein „Hardtail“ sein sollte. Fully steht für: „Full Suspension Bike“, was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste. Hier federt das Hinterrad elegant jedes Schlagloch ab, weshalb es sich bestens für Feldwege und Bergtrails eignen soll. Das Modell im Laden verfügte über eine schwarze Riesenspirale, die den eleganten Rahmen durchschnitt und Assoziationen an Motor-Cross-Maschinen weckte: Für mich ein optisches K.-o.-Kriterium, auch wenn die Verkäuferin noch so glaubhaft versicherte, dass es für sie keine Alternative zu solch einem Rad gebe.
 

Schnell wie ein Rennwagen

 
Bei der nächsten Adresse wusste ich immerhin, dass es ein Hardtail-Mountainbike werden sollte, was bedeutet, dass nur das Vorderrad gefedert ist. Auch die Maße des Rahmens standen schnell fest. Dann wurde es kompliziert: Die Modelle, die mir gefielen, waren entweder zu teuer oder nicht in meiner Größe auf Lager. Ich merkte, dass eine Probefahrt in der falschen Rahmengröße nicht sehr viel Sinn machte. Nach dem dritten Versuch verließ ich das Geschäft und begab mich wenige Tage später auf den Rat einer Freundin hin zu Max, der seinen Bike Shop am Fuße des Wettersteingebirges betreibt. Schwungvoll wuchtete er ein 29-Zoll-Rad aus dem Ständer und erklärte: „Das sind die Räder der Zukunft – sie laufen wegen ihrer Reifengröße leicht wie ein Rennwagen!“ Während der Probefahrt setzte Graupelregen ein, und ich fühlte mich wie Lotta mit dem großen Fahrrad bei Astrid Lindgren. Ein 29-Zoller würde es wohl auch nicht werden.
 
Der Sommer zog ins Land und mein Mann bot sich an, das alte Stadtrad flottzumachen. Ich lehnte ab, fuhr mit dem Auto zum nahen Badesee – den Blick sehnsüchtig auf alle Radler gerichtet, die sich im Gegensatz zu mir wohl hatten entscheiden können.
 
Es kam das nächste Frühjahr und mit ihm der feste Vorsatz, die Sache zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Meine sportlichen Nachbarn, die das Prozedere im Vorjahr mitleidig verfolgt hatten, drückten mir einen Katalog mit 975 Seiten in die Hand: „Rose-Versand“ – Fahrräder, die man individuell per Internet oder telefonisch zusammenstellen kann. Wäre der Wunsch nach einem Rad nicht so groß gewesen, ich hätte den Schinken vermutlich mit dem Altpapier entsorgt. Bei genauerem Studium stellte ich dann aber fest, dass die Rubrik „Mountainbike“ nur 100 Seiten umfasste, zog man Fully und 29 Zoll ab (immerhin das hatte meine Recherche im Vorjahr gebracht), blieben nur drei Modelle übrig. Jedes davon gab es, übersichtlich aufgelistet, in verschiedenen Ausstattungen und Preiskategorien. Da ich mir inzwischen überlegt hatte, dass mein neues Rad möglichst leicht, aber nicht unerschwinglich teuer sein sollte, kamen bei den drei Modellen je drei Räder in Betracht. Meine Laune stieg proportional mit der abnehmenden Zahl an Varianten.
 
Gut vorbereitet wagte ich nun einen Anruf im Service-Center. Udo, mein Berater, fragte mich zuerst nach Körpergröße, Arm- und Beinlänge. Es stellte sich heraus, dass meine beiden Lieblingsoptionen (ein normales Modell und eine spezielle Damenvariante) sich nur in der auszuwählenden Rahmengröße unterschieden: Ich konnte also das schöne „Count Solo“ in Weiß/Blau ebenso wählen wie die Damenvariante „Duchess“ in Weiß/Bordeaux – dann aber entsprechend eine Nummer kleiner. Die Entscheidung war schnell gefallen, der Optik wegen. In das strahlende Eisblau hatte ich mich auf den ersten Blick verliebt. Da durch den Direktkauf der Zwischenhändler wegfällt, konnte ich mir obendrein bei gleichem Preis eine bessere Ausstattung leisten. Nur beim Sattel entschied ich mich für eine komfortablere Version als serienmäßig vorgesehen.
 
Drei Wochen später kam per Postauto eine sperrig lange Schachtel. Darin: mein Wunschfahrrad, fertig montiert. Schon die erste Probefahrt entkräftete alle Ängste, dass ich vielleicht doch nicht das richtige Modell gewählt haben könnte. Die steilen Hügel im Voralpenland nimmt es übrigens nicht ganz von allein. Aber ehrlich gesagt: Das hatte ich nicht wirklich erwartet.
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Tatjana Seel