Alte Villa am Chiemsee

Villa Herzblut

Als sie zu ihm in das alte Haus am Chiemsee zieht, kommt Farbe ins Leben: Kriemhild und Werner Horn erschaffenim oberbayrischen Idyll ihre eigene Welt - ohne Kitsch, mit viel Gefühl für fröhliche Töne.

Kaum einer versteht diese alten Brettlstühle“, sagt Kriemhild Horn und streicht mit der Hand über das von Jahrzehnten gezeichnete Holz. Es sind einfache Stühle mit X-Beinen, brettgeraden Lehnen und flachen Sitzen – als Zierrat müssen ein Herz im Rücken oder ein Griffloch reichen. Diese Stühle zu verstehen, erklärt die Einrichtungsberaterin, das bedeutet, hinter aller Schlichtheit ihre Vielfalt zu erkennen. Im Haus von Kriemhild und Werner Horn in der oberbayerischen Fünftausend-Seelen-Gemeinde Übersee am Chiemsee spielen Brettstühle eine tragende Rolle.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Brettstühle stehen nicht in der rustikalen Küche eines urigen Bauernhauses mit geschnitzten Holzbalkonen samt Hänge-Geranien – sondern in einem 125 Jahre alten herrschaftlichen Anwesen mit hohen Fenstern, drei Wohnetagen, schmiedeeisernem Kunsthandwerk und allem anderen, was sich das selbstbewusste Großbürgertum Ende des 19. Jahrhunderts zur Repräsentation geleistet hat. Sie gruppieren sich im „Grünen Salon“ neben feinen Halbschränken aus dem Biedermeier, dienen im Schlafzimmer als Nachttisch und umrunden den großen weißen Tisch im Esszimmer. Die Brettstühle stehen in der „alten Villa von der Wolferstraße“, wie die Leute hier sagen.

Vor vierzehn Jahren entdeckte der Münchner Rechtsanwalt Werner Horn das Haus gleich gegenüber einer Bootswerft. Immer schon wollte er in den malerischen Chiemgau ziehen, wo nicht nur die Alpen glühen – als Künstlerwinkel ist dieser schöne Flecken Erde ebenso bekannt. In Übersee steht zwischen Höfen mit prächtigen Bauerngärten auch das Exter-Haus, Keimzelle der expressionistischen Malerei, wo einst Julius Exter (1863–1939), Mitbegründer des Künstlervereins „Münchner Sezession“, lebte und arbeitete.

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