Hausbesuch auf der Insel Föhr

Reif für die Insel

Draußen die Wolken und das Meer, drinnen weißes Holz, farbenfrohe Bilder und seltene Fundstücke. Auf Föhr hat ein Kunsthändler-Ehepaar eine alte Scheune in ein detailverliebtes Refugium verwandelt.

Schon ihrem Großvater gefiel das kleine reetgedeckte Haus am Dorfteich von Nieblum. So sehr, dass er es in einem seiner Gemälde verewigte. Heute gehört es seit 40 Jahren seiner Enkelin Heinke Neuse und ihrem Mann Achim. „Früher nannte man es ‚die ole Schün‘, plattdeutsch für ,alte Scheune‘“, erzählt die energiegeladene Dame, die auf Föhr groß geworden ist und inzwischen in Bremen lebt, wo ihr Mann eine Kunsthandlung mit musealen Gemälden, Silber und Kunsthandwerk führt. Die Bilder ihres Großvaters Fritz Cohrs kann man im Nachbardorf Alkersum im Museum Kunst der Westküste bewundern, gleich neben Werken von Emil Nolde und Edvard Munch.

Auch „dat Schloss“, ein altes Kapitänshaus, nur wenige Meter von der Scheune entfernt, haben die Neuses erworben, vermieten es an Feriengäste oder quartieren dort Freunde ein. Erst vor Kurzem waren 15 Golfkollegen zu Besuch, die Heinke Neuse mit Leidenschaft und – darüber sind sich alle einig, die je an ihrem mit Silber von Georg Jensen gedeckten Tisch saßen – auf Sterne- Niveau bekochte.

Weg vom alten Friesen-Look

Vor vier Jahren entschied sie sich, ihrem Haus noch einmal ein ganz anderes Flair zu geben: „Ich wollte weg vom blau-weißen Friesen-Look.“ Es folgte eine Komplettsanierung, bei der sogar die Treppe ein paar Meter weichen musste und der Rotsteinboden – „er hat zu viel Licht geschluckt“ – durch Burgunder Sandstein ersetzt wurde. Oben im ersten Stock, wo sich Schlaf- und Wohnzimmer befinden, ließ sie die schmalen Bodenbretter durch weiß lackierte Dielen austauschen: „Ich liebe es eben glänzend“, lacht sie. Und natürlich ist es kein Zufall, dass das Rombenmuster der Dielen das des Sandsteins im Erdgeschoss wieder aufnimmt. Aus den alten Brettern wurde ein großer Wandschrank gezimmert, der nun im Zimmer von Tochter Dorothea steht. Mit seinen roten Stoffen ist es der farbintensivste Raum des ganzen Hauses. Kommen die beiden Söhne vorbei, übernachten sie in dem ganz in Weiß gehaltenen Gästezimmer.

Zu dem weißgrauen Farbklang, der den Grundton des gesamten Hauses bildet, hat sich Heinke Neuse von schwedischen Interior-Büchern inspirieren lassen – und von ihrer Freundin Marga Wrobel, die den Einrichtungsladen „Bi de Süd“ in Nieblum besitzt. „Wenn ich Stoffe oder Möbel sehe, sprudeln die Ideen nur so“, sagt die Hausherrin. Manche Möbel restauriert sie auch selbst, schleift sie ab, streicht und lackiert sie – so lange, bis die Oberfläche seidig schimmert. Das Tischchen im Wohnzimmer, erklärt sie stolz, „ist mein Meisterstück“.

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