Wiederaufbau einer Finca

Phönix aus der Asche

In den Bergen bei Barcelona entdeckte Jens Grundmann eine ausgebrannte Finca von 1680. Stein für Stein baute er sie wieder auf – heute ist sie schöner als je zuvor.

Ein Dieselmotor knattert die Serpentinen hoch, und kurz darauf saust Jens Grundmann im Jeep auf den Hof seines Ferienhauses 50 Kilometer nordöstlich von Barcelona. Aus dem offenen Verdeck lacht seine fünfjährige Tochter Marlen. Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken, zuvor hatte ein Unwetter getobt. „Die Gewitter verschwinden so schnell, wie sie kommen, aber diesen Sommer bringen sie extreme Regengüsse“, erzählt der Hausherr, während er aussteigt. Jens Grundmann scheint nicht der Typ zu sein, der gerne Siesta macht. Er zieht seine Gummistiefel an und läuft gleich los, um zu prüfen, ob der Wolkenbruch Schäden angerichtet hat an den Treppen, Terrassen und Wegen seines drei Hektar großen Hanggrundstücks. 

Als Jens Grundmann die alte Finca 1999 entdeckte,waren von ihr kaum mehr als ein paar Steinmauern übrig, von Brombeeren überwuchert. Ein Kaminbrand hatte den Hof ein halbes Jahrhundert zuvor verwüstet.Wo sich einst die Küche befand, schaute jetzt ein Lorbeerbaum durchs eingefallene, verkohlte Dachgebälk.Versteckt im Grün der Steineichenwälder, wäre Jens Grundmann nie auf die Ruine gestoßen, hätten ihm Freunde nicht den Tipp gegeben. Der Mode- und Werbefotograf aus Düsseldorf lebte seit zehn Jahren in Barcelona und suchte nach einem Landhaus für die Wochenenden.

Die unberührte Landschaft begeisterte ihn. Der nächste größere Ort, das Thermalbad La Garriga, liegt zehn Kilometer entfernt. Weder Strommasten noch Wasserleitungen zerschneiden die Berge. „In der Ruine habe ich auf Anhieb das rustikale Steinhaus gesehen, von dem ich träumte“, erklärt er.Weil die Besitzer Geld zum Ausbau ihres Wohnhauses brauchten, ließen sie sich zum Verkauf überreden. Als „Can Pou“, also „Brunnenhaus“, ist die Anlage im Grundbuch und auf Wanderwegen der Umgebung eingetragen, einen Brunnen hat der neue Hausbesitzer bis heute nicht entdeckt. 

Auf seinem Inspektionsgang verliert Jens Grundmann keine Zeit. Über die „Süd-Treppe“ eilt er zur untersten Ebene des Hanggrundstückes. Er prüft die Felswände und Steinplatten der „Nord-Treppe“, begutachtet die Neuanpflanzungen der Obstbäume und den kanadischen Ahorn, den er erst kürzlich von einer Reise mitgebracht hat. Überall wachsen wilde Blumen. Es riecht würzig nach Thymian. Am Swimmingpool macht er halt. „Alles okay“, sagt er zufrieden.Wir gehen in die Küche, wo auf dem alten Esstisch Erfrischungen, Gemüse, Käse, Räucherwürste und andere Spezialitäten der Region auf uns warten. Jens Grundmann deutet auf den Tisch: „Genau dort stand der Lorbeerbaum.“ Er hat ihn ausgegraben und verschenkt, Lorbeer zu fällen bringt Unglück.

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Autor:
Eva Müller-May