COUNTRY-Landhaus des Jahres 2012

Landhaus-Wettbewerb: Platz 2

Auf den Grundrissen alter Gemäuer entstand im Allgäu ein neuer Einödhof. Architekt Alexander Nägele plante ein modernes Traumhaus nach alten Maßen.

„Wollen Sie nach innen oder nach außen wohnen?“, war eine der ersten Fragen, die Architekt Alexander Nägele vom Memminger Architekturbüro SoHo seinen Kunden im Allgäu stellte. „Damit wollte ich herausfinden, ob sie einen starken visuellen Bezug nach außen, zur Landschaft wünschen oder ob sie lieber introvertiert, mit Vorhängen und viel Deko wohnen wollten.“ Für die Besitzer war die Antwort sofort klar: nach außen! Auf den ersten Blick wirkt das Haus hingegen eher wie eine uneinnehmbare Trutzburg. Doch das ist gewollt. Zur Straße sollte es geschlossen, ruhig ein wenig abweisend wirken, erklärt die Hausherrin. Offen ist es zum Innenhof, auf den der ganze Bau ausgerichtet ist. Hier spielt sich im Sommer das Leben ab, trifft man sich am plätschernden Brunnen, schlendert zum Gemüse- oder Rosengarten.

Die alte Bauweise der Region

„Es ist genau so geworden, wie wir es wollten“, schwärmt die Hausherrin. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie auf der Suche nach einem Haus in Alleinlage, das ihr Altersruhesitz werden sollte. Eines Tages entdeckten die beiden auf einer Radtour einen alten Einödhof. Die Lage malerisch, inmitten von Feldern und Wald, in der Ferne grüßt das Voralpenland. Die Substanz der Gebäude war jedoch weniger traumhaft. Um- oder gar Neubauen wurde vom Bauamt aber ausgeschlossen – zunächst. So nutzte die Familie das Haus erst einmal als Wochenenddomizil. Nach einer Weile durften die Besitzer dann als Erstes die Nebengebäude abreißen. An deren Stelle entstanden ein Raum für Pflanzarbeiten und eine kleine Werkstatt für den Hausgebrauch.

Danach konnte das Paar den zweiten Vorstoß wagen und mit Unterstützung von Architekt Nägele beim Bauamt vorsprechen. Auch ihm war klar: „Die Substanz war zu schlecht, eine Restaurierung nicht möglich. Der Hof musste abgerissen und komplett neu gebaut werden.“ Diesmal stimmte das Bauamt zu, mit einigen Vorgaben, die die Bauherren gern erfüllten: Der Baumbestand sollte erhalten bleiben – die hundertjährigen Linden spenden jetzt im Sommer wunderbar Schatten. Und auf den Abmessungen des alten Hofs sollte das neue Gebäude errichtet werden. So ist das Haus jetzt lediglich ein wenig kürzer und breiter als das ursprüngliche. Zu guter Letzt musste der Bau ein rotes Dach erhalten, wie es in der Gegend üblich ist. Das war auch im Sinn der Besitzer, denn diese wollten sich nach der alten Bauweise der Region richten und einen schlichten schwäbischen Bauernhof ohne Dachüberstand.

„Auch die graue Außenfarbe haben wir in Anlehnung an die verwitterten Bretter des vormaligen Hofs gewählt, damit sich das Ganze ohne großen Kontrast in die Umgebung einfügt“, erklärt Architekt Nägele.

Geglückt ist ein neues Gebäude, das modern gestaltet ist und dennoch die Gepflogenheiten der Region berücksichtigt und mit der umliegenden Landschaft harmoniert. Dies honorierte die COUNTRY-Jury mit dem zweiten Platz.

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