Platz 1 des COUNTRY-Wettbewerbs

Landhaus des Jahres 2012

Neuer Schwung: Eine Treppe aus Stahl windet sich durch den ehemaligen Heuschober. Stefan Möhringer verwandelte eine fränkische Scheune in ein modernes Energiesparhaus. 

Der rustikale Lehmboden von einst ist raumlangen, edlen Dou­glasien-­Dielen gewichen. Moderne, schlichte Stahlträger stützen die Wände und strukturieren die Räu­me. Doch der Charme der alten Scheune blieb erhalten. Auch wenn es nicht mehr nach Heu riecht, künden die Holzbalken und das mühevoll wieder aufgeputzte raue Sichtmauerwerk noch immer stolz von der Geschichte des Heims von Familie Möhringer in Feuerbach bei Würzburg.

Das Haus ist Teil eines Dreiseithofs, ganz typisch für diesen Teil Frankens. Das Hauptgebäude stammt noch aus dem 17. Jahrhundert. Hausherr Stefan Möhringer wollte keinen Neubau: „Es war mir wich­tig, die alte Substanz im Ort zu nutzen.“ Er ist Ge­schäftsführer eines nahe gelegenen Unternehmens, das Geräte zur Holzbearbeitung herstellt. Eine sei­ner Fertigungshallen hat er vom Esszimmer aus immer im Blick. Die Nähe zu seiner Arbeitsstelle war für Möhringer, der auch in der Gegend geboren ist, mit ausschlaggebend für die Wahl. So kann er mittags schnell nach Hause und mit seinen Kindern essen.

Lebensqualität unter alten Bäumen

Stefan Möhringers Faible für Holz bestimmt das Haus: Eine Fußbodenheizung, die mit Holzstücken, sogenannten Hackschnitzeln, betrieben wird, sorgt für Wärme. „Da wir das Sichtmauerwerk erhalten wollten, konnten wir nur mit Einschränkungen dämmen. Aber wir haben immerhin ein Energiespar­haus 60 hinbekommen.“ Der Energiebedarf für Hei­zung und Warmwasser beträgt jährlich also nicht mehr als 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Als die fünfköpfige Familie ihr Bauprojekt plante, bot die ehemalige Scheune von allen Gebäuden die beste Substanz und Größe. „Ein genaues Aufmaß al­ler Gebäudeteile des Gehöfts, eine restauratorische Befunduntersuchung, ein Tragwerksgutachten und eine Kostenermittlung ergaben, dass der Ausbau der Scheune die richtige Lösung war“, erklärt Architekt Walter Böhm. Sein Büro „Böhm + Kuhn­Architekten“ reichte das Projekt schließlich auch zum COUNTRY­ Wettbewerb ein. Das ursprüngliche Wohnstallhaus wurde später renoviert, zunächst wurde im ehema­ligen Kuhstall eine Garage untergebracht. Knapp zwei Jahre dauerte der Umbau. Der für die Förde­rung durch das Denkmalamt notwendige Papierkram bedeutete so manchen durchgearbeiteten Sonntag für Stefan Möhringer. „Ähnlich wie eine Steuererklärung“, erinnert er sich. Aber es hat sich gelohnt.

Seite 1 : Landhaus des Jahres 2012