Hausbesuch: Der Gugghof bei Miesbach

Kühe statt Karibik

Wiesengrün statt Palmenstrände oder Großstadtschluchten. Wie der Interior-Designer Holger Kaus auf einem Hofgut bei Miesbach sein Zuhause gefunden hat.

Dieses Grün! Sommerfrisch und wie von innen beleuchtet. Mitten in der anmutigen Wiesenlandschaft bei Miesbach, nicht weit vom Tegernsee entfernt, steht der Gugghof auf einem Hügelkamm. In der Talsenke blitzt ein kleiner See durch die Bäume. Mit seinem Geranien-Balkon, dem dunklen Fichtenholz und einem geschnitzten Türmchen – die Feuerglocke – auf dem mit Lärchenschindeln gedeckten Dach wirkt das Gut wie aus einem bayerischen Ferienprospekt. Leben, wo andere Urlaub machen.

„Ruhe und Natur“, sagt Holger Kaus, der junge Besitzer des Hofguts, „das war es, was ich gesucht – und hier gefunden habe.“ In Frankfurt am Main, als Sohn einer kunstsinnigen Familie „und kleiner Stadtneurotiker“ aufgewachsen, habe er die Erinnerungen an die Ferien in den Alpen immer wie einen Schatz gehütet. Wiesen, Wälder, ein See zum Baden, ein Stock, an dem man schnitzen konnte. „Als Kind war ich glücklich damit. Dann kam die Zeit, in der ich zu jeder Einweihung einer Telefonzelle gegangen bin“, scherzt Kaus. Irgendwo gab es immer eine Party. Paris, London, ein paar Tage in der Karibik – kein Problem.

Nichts wie raus in ein anderes Leben

„Mein Leben“, erzählt der 41-Jährige, „war schnell und intensiv.“ Aber irgendwann wuchs er aus diesem Leben heraus wie aus einem alten Anzug. „Die Karibik kann man mir heute auf den Bauch binden“, sagt der Interior-Designer, der gerade ein Schloss in Österreich einrichtet. Hinter dem Haus summt ein Mähdrescher, es riecht nach Heu, und in der Ferne läuten Kuhglocken. Klar, ohne Reisen könne er seinen Beruf nicht ausüben, „aber“, sagt Kaus, „heute habe ich einen Ort, an dem ich ganz bei mir bin. Ein Zuhause.“ Für sich und seine Familie, seine Eltern, die beiden Schwestern, die Neffen, aber auch „für Freunde, die ihr Zuhause noch nicht gefunden haben oder für Künstler, die einen Unterschlupf brauchen“.

Und für Aloisia, seine Haushälterin. Die gebürtige Schwäbin, damals Bürokraft in Ansbach, setzte sich „an einem Sommertag vor ungefähr neun Jahren“ ins Auto und fuhr davon. „Nur weg aus meinem bisherigen Leben. Irgendwohin, wo es schön ist“, erzählt sie. Und so sei sie dann Richtung Süden gefahren und habe „erst angehalten, als ich den Ort gefunden hatte“.

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Autor:
Simone Herrmann