Französische Lebensart

Hausbesuch in Südfrankreich

In Saint-Rémy-de-Provence im Süden Frankreichs hat die Galeristin Doudou Bayol ein blühendes Kunstwerk geschaffen. Meint auch ihr Mann Joseph: Im Garten findet der Landschaftsmaler seine schönsten Motive.

Der Gast betritt den Garten und fühlt sich wie ein Teil in einem impressionistischen Gemälde: Lavendel flirtet mit den blutroten Dolden des Kugellauches, die ein leuchtendes Feuerwerk entfachen. Darunter blitzen kleine weiße Myrthen wie ein Funkenflug, der auf die blaugrünen Blätter der Hosta niedergeht. An der Hauswand wuchern Jasmin, wilder Wein und Glyzinien – nur die Zypressen- und Bambushecken schaffen auf dem 5000 Quadratmeter großen Anwesen von Doudou und Joseph Bayol in Saint-Rémy-de-Provence eine gewisse Ordnung. „Ich mag es üppig und eklektisch“, sagt die Hobbygärtnerin und Galeristin.

Seit 40 Jahren arbeitet Doudou Bayol an ihrem blühenden Kunstwerk. Jede Blume, jedes Kraut, jeden Baum hat sie selbst gepflanzt. Und mit ihrem Mann Joseph, einem Landschaftsmaler, sucht sie auf Ausflügen durch die Provence noch heute nach Ablegern oder Samen. „Ich komme aus einer Bauernfamilie und brauche die Arbeit mit der Erde “, erklärt sie, streift die Gartenhandschuhe ab und geht mit einem Korb duftender Tomaten für das Mittagessen zum Haus zurück. Dort sitzt Joseph Bayol auf der Terrasse vor dem Westflügel.

Oben im ersten Stock hat er sein Atelier, im Erdgeschoss – offen wie ein Loft – befinden sich Küche, Esszimmer und der Kamin mit einer gemütlichen Sitzecke. Im einstöckigen Haupthaus, das 1968 entstand, gibt es drei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Bibliothek, einen weiteren Salon und, im Ostflügel, Doudous Galerie. „Unser Haus ist ein Puzzle, wie der Garten. Es wuchs über vier Jahrzehnte, zunächst mit der Zahl unserer Kinder. Seit die drei ausgezogen sind, haben wir uns ausgebreitet“, erzählt Doudou Bayol und meint damit seine Kunst und ihre Sammelleidenschaft. Überall hängen Ölbilder, sind Antiquitäten und Trouvaillen zu sehen, die sie von ihren Reisen durch vier Kontinente in ihre südfranzösische Heimat mitgebracht haben: Töpfereien aus Guatemala, denen der Ruß der letzten Feuerstelle noch anhaftet, aufwendig geschnitzte Holzschachteln aus Kambodscha, reich bestickte Stoffe aus Indien, über zweitausend Jahre alte Tonfiguren der Han-Dynastie aus China.

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