Tiroler Patenschaft

Hausbesuch in Kitzbühel

Die Münchnerin Susanne Lanz plant und entwickelt moderne Häuser nach alpenländischem Vorbild. Dabei ist ihr ein Objekt in Kitzbühel so ans Herz gewachsen, dass sie selbst einzog. 

Grandios! ein treffenderes Wort fällt dem Besucher nicht ein, wenn er den Ausblick über die geschnitzte Holzbrüstung hinweg zum ersten Mal erlebt. Den unverstellten Blick auf die Kitzbüheler Alpen. Und in der Ferne erheben sich die Tauern, ewige Bergriesen, die das ganze Jahr über Eiskappen tragen. Noch. Im Moment der Schönheit mag man an dieser Stelle nicht weiterdenken. Jetzt im Spätherbst glänzen die Almwiesen saftig grün, darin eingestreut liegen alte Bauernhäuser und Scheunen, je nach Holzart dunkelbraun gebrannt oder grau gebleicht von der starken Sonne oben in Aurach, fünf Kilometer südlich von Kitzbühel. „Sehen Sie auf dem Hügel die Götschen-Kapelle? Dorthin sind es gut fünfzehn Minuten Spazierweg.Wenn ich nachdenken muss, dann wandere ich gern dort hinauf“, sagt Susanne Lanz und zeigt mit dem Finger links hoch auf einen Punkt, an dem man gerade noch ein Holzkreuz zu erkennen glaubt.

Regionale Authentizität: Erst im Frühjahr 2008 sind die Münchnerin, ihr Mann Lothar und die beiden erwachsenen Kinder in das 400 Quadratmeter große, neue Anwesen gezogen. Das österreichische Wintersportparadies ist seit Jahren der Lebensmittelpunkt der Familie. Auf den ersten Blick reiht sich das Lanz-Haus ganz selbstverständlich in den Tiroler Landstil ein, und wäre die Bepflanzung rundum nicht mehr so frisch, man würde es nicht für einen Neuling halten. Das liegt an der Hausherrin: Als Projektplanerin und Innenausstatterin ist es ihr höchstes Ziel, Neues aus Altem zu schaffen. Die Frau vom Bodensee, die lange in München lebte, hat sich auf einen edlen Alpenstil spezialisiert.

Sie schätzt die regionalen Grund- und Werkstoffe wie Holz, Leder, Loden, Leinen, Felle und deren Bearbeitung in traditioneller Handwerkskunst – um daraus modernes Wohn-Leben zu gestalten. Das ist nicht günstig, was sich allein schon aus dem Arbeits- und Materialaufwand erklärt, ganz zu schweigen von der exklusiven Lage ihrer Objekte. „Ob im eigenen Haus oder bei Auftragsarbeiten, ich arbeite immer mit ortsansässigen Firmen und Fachleuten zusammen“, sagt die Planerin, die alle Vorhaben mit Hans- Peter Kaserer, einem Bauingenieur aus dem benachbarten Jochberg durchführt. Authentizität und Respekt vor den Einheimischen nennt sie als Gründe, die für sie letztlich nicht nur eine Stilfrage, sondern Harmonie-Garantie bedeuten.

Zeitgemäßer Materialeinsatz: Wer das Lanz-Haus betritt, erfährt sogleich etwas darüber, wie das Alt-wird-neu-Prinzip funktioniert. Die massive Holztür von 1789, sandgestrahlt und mit original geschmiedeten Beschlägen aufgearbeitet sowie nach modernen Wärmeschutzregeln gedämmt, führt den Gast ins holzgetäfelte Entree. Natürlich aus Altholz, fast roh behauen und in Längsbahnen verlegt, um die Weitläufigkeit zu betonen. Jeder Anflug von „Jodelstübchen“ hat schon wegen der zweieinhalb Meter Raumhöhe und dem starken Kontrast von Holz zu schwarz patinierten Einfassungen aus Eisen oder modernen Lampen keine Chance.

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Autor:
Barbara Kraus