Haus unter Denkmalschutz

Zauberhafter Gutshof

Auf dem Hartschimmelhof verbindet Alexandra von Schönberg ihre Passion mit ihrer Großfamilie und den lieb gewonnenen Tücken eines denkmalgeschützten Hauses.

Der Zauber des historischen Gutshofes nimmt jeden Besucher sofort gefangen. Im Laufe der Jahre hat sich der Gar­ten, der zur Zeit der Großeltern noch als reiner Nutzgarten gedacht war, zu einem wahren Blumen­paradies entwickelt: Hier blühen Kapuzi­nerkresse, Wicken und üppige Hortensi­enbüsche, die mehrjährige Clematis und Knöterich, der sich um einen Rosenbogen rankt. Das Summen der Bienen vermischt sich mit dem Duft von Lavendel.

„Auf dem Land erlebt man den Wechsel der Jahreszeiten viel intensiver. Gerade jetzt im Frühjahr, wenn wir die Esel Don­ na und Bella morgens auf die Weide brin­gen, fühle ich, wie der Boden und die Tem­peratur sich über Nacht verändert haben“, erzählt Alexandra von Schönberg. Auch bei der Gestaltung des über 150-­jährigen Hauses in der Nähe des Ammersees in Bay­ern hat sie das Zusammenspiel mit der Na­tur und den Jahreszeiten bedacht. „Farben sind für mich besonders wichtig und müssen stimmig sein“, erklärt die gelernte Buchbinderin und Papierrestauratorin.
 
„Schaut man im Sommer nach draußen, müssen die Wände im Inneren mit dem Grün der Natur korrespondieren. Im Winter hingegen sollten die gleichen Töne Wärme und Geborgenheit vermitteln. Also haben wir die Räume in einem passenden Grün und behaglichem Rot gestrichen. 
 

Schmökern in der Stube

 
Baulich durfte an dem denkmalgeschütz­ten Haus, das sich seit Generationen in Familienbesitz befindet, nichts verändert werden. Im Wohnzimmer erinnern Deckenhöhe und kleine Fenster noch stets an früheres bäuerliches Wohnen. Doch durch die hohen Regale mit Unterschrän­ken, die über zwei Wände bis zur Decke hoch gezogen sind, ist hier eine wahre Bibliothek entstanden. Leselampen, ein Holztisch und gemütliche Ohrensessel laden zum Lesen und Teetrinken ein. Bücher sind für die Hausherrin ein Lebens­elixier. Man liest sie nicht nur, sondern wohnt und lebt mit ihnen. Die Passion für schönes Papier und auch Stoffe teilt Alex­andra von Schönberg mit ihrem Mann Joachim, der mit der Traditionsfirma Hahne & Schönberg Deko­ und Einrich­tungsstoffe internationaler Labels in Deutschland vertritt. Viele dieser Stoffe verwandeln sich in Alexandras Atelier zu Bucheinbänden, Mappenhüllen oder Pin­boards. Zusammen mit liebevoll gestalte­ten Briefpapieren und fein verzierten Pappschachteln verkauft sie diese in ih­rem Hofladen, der alten Scheune.
 
Neben Wohnzimmer und Atelier be­finden sich im Erdgeschoss des Hofes auch Küche, Speisezimmer und ein klei­ner Waschraum. Die Dekoration der Räume verändert sich ständig, folgt aber keinem Trend. Üppigkeit ist hier Pro­gramm. Auf dem Hartschimmelhof sieht jeder sofort: Dinge sind nicht nur zum Anschauen da, sie werden benutzt. Und zum Leben einer Großfamilie gehört es nun einmal dazu, dass gelegentlich etwas herunterfällt oder zu Bruch geht. Dann kauft Alexandra von Schönberg gern et­ was Neues, das auch etwas Altes sein kann: „Viele Dinge entdecke ich auf Reisen, auf Flohmärkten, im Vorübergehen und empfinde, dass die Dinge einfach zu mir gehören.“
 
So steht die Plastik eines spanischen Künstlers vor einem Bild mit Bergpanorama. In einem anderen Raum gesellt sich ein altes Hinterglasbild mit Weihnachtsszene zu einem Stapel englischer Teller, daneben reihen sich farbige Gläser aus Biot in Frankreich. Eine Einrichtung muss wachsen, sie muss sich ergeben. „Das ist wie mit der Mode: Man sollte auf Individualität setzen und sich nicht ständig fragen, was en vogue ist“, meint die Künstlerin.
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Autor:
Claudia Böning