Kolumne

Gute alte Stühle

Dank einem Stau auf der französischen Autoroute du Soleil hat Sabine Reber endlich die Traum-Gartenstühle gefunden, nach denen sie schon gar nicht mehr zu suchen wagte.

Lama-Stuhl von Sabine Reber

Designerstühle, denen jeder auf den ersten Blick den Preis ansieht, sind mir peinlich. Und sie werden geklaut. Die perfekten Gartenstühle sollten alt sein. Und namenlos. Oder zumindest von einer Marke, die kein Mensch kennt. Immer wieder habe ich darum Stühle aus dem Sperrmüll gefischt. Sie standen eine Saison bei mir im Garten, wo sie sich durch gebrochene Latten und wacklige Beine hervortaten. Spätestens im Herbst landeten sie wieder dort, wo sie hergekommen waren.

Es schien also schier unmöglich, die perfekten Stühle für meinen Garten am Bielersee zu finden. Wir haben dort ein Kiesplätzchen angelegt, auf dem gerade mal knapp ein Tisch Platz hat. Da lassen sich nur die kleinsten Klappstühle hinzufügen, nichts mit Seitenlehnen, nichts Wuchtiges. Da der Kiesplatz nicht sehr fest gestampft ist, kommen auch nur Stühle mit Bügeln infrage. Dünne Beine würden einsinken und die Unkrautfolie löchern. Eigentlich hatte ich schon aufgegeben und provisorisch ein paar Campingstühle hingestellt. Da das Seegärtchen ansonsten ziemlich durchgestylt ist, wirkten diese wie die Faust aufs Auge. Aber Hauptsache, man konnte sitzen und man sank nicht ein. Man gewöhnt sich ja an Unstimmigkeiten, mit der Zeit nimmt man sie kaum mehr wahr.
 
Als ich jedoch im Sommer in die Camargue fuhr, ergab es sich, dass mein Navigationsgerät auf halbem Weg vor einem großen Stau warnte. Da ich nur vier Tage Zeit hatte, ärgerte mich die Aussicht, den ersten davon im Stau zu verbringen. Besser wäre es, ein Stück über Land zu fahren, auf einem Dorfplatz unter Platanen einen Pastis zu trinken. Und das tat ich dann auch. So kam es mir bald albern vor, wie die ferienhungrigen Menschen Lemmingen gleich Richtung Süden rasen. Es schien mir Sinn zu machen, auf halbem Weg auszusteigen. Schließlich war Urlaub dazu da, mal Pause zu machen. Ich kurbelte das Fenster hinunter, drehte das Radio auf, und sang lautstark mit, als Johnny Hallyday gespielt wurde.
 
Irgendwo auf der Hauptstraße zwischen Montélimar und Orange erblickte ich ein paar verlotterte Häuser samt einem großen Hof voller Altmetall und Gerümpel. Da parkte ich meinen zwanzigjährigen Passat, der ja nicht für nichts mit einem immensen Kofferraum ausgestattet ist. Das Haus war mit „Brocante“ – also Trödler – angeschrieben. Großer Kofferraum und ein Schild, auf dem Brocante steht ... gefährliche Sache. Ich hörte den Chor meiner Exmänner und die Stimme meines neuen Partners unisono. Aber ich war ja alleine unterwegs. Im Schaufenster standen alte Ricard-Aschenbecher, Kristallgläser und Pétanque-Kugeln. Was mich aber interessierte, waren die rostigen Gartenmöbel, die ich im Hof erspäht hatte. Ich wartete über eine Stunde, bis der Ladenbesitzer von seiner Sieste zurückkam. Da war ich schon einigermaßen sicher, dass ich diesen hübsch gelben Gartentisch kaufen würde, der sehr charmant angerostet war und sich gerade im richtigen Stadium der Verwitterung befand. Keine Ahnung, wohin damit, aber die Farbe war wirklich wunderschön abgeblättert, die Rostflecken nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Trotz seines offensichtlichen Alters wirkte der Tisch merkwürdig gepflegt. 

 
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