Villa il Maggio in der Toskana

Dolce Vita und Ferienglück

Mit unkonventionellen Methoden machte die Kunsthistorikerin Gisela Kaminski aus einem verfallenen Gemäuer in der Toskana die „Villa il Maggio“ – in der sich auch Gäste wohlfühlen.

Benvenuti!“ schallt es den Gästen schon von Weitem entgegen. Gisela Kaminski steht in der Tür ihres Bauernhauses in Sarteano, einem Dörfchen in der toskanischen Campagna, 80 Kilometer von Siena entfernt. 

In der Hand hält sie ein Bündel frischer Kräuter, soeben erst im Garten gepflückt. Sie sollen das Abendessen bereichern. Ihr Willkommenslächeln strahlt den ganzen Stolz aus, die Herrin des traumhaften „Casale“ zu sein, wie die Landhäuser hier in Italien heißen. Wer heute ihre „Villa il Maggio“ – der Mai – sieht, der ahnt nicht, in welch katastrophalem Zustand sie sich befand und mit wie viel Energie die zierliche Frau mit den kurzen Haaren sie in ein Schmuckstück verwandelt hat. In ein sehr eigenwilliges Schmuckstück – so eigenwillig wie seine Besitzerin. 

„Mein Landhaus hat seine Eigenarten“

Als die Kunsthistorikerin mit der Vorliebe für die italienische Kultur und Küche im Mai 1994 das erste Mal in das Bauernhaus trat, wusste sie schon, dass es ihr gehören würde: „Es war ein magischer Moment.“ 20 Tage später war die Versteigerung, und prompt erhielt sie den Zuschlag für das Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Rund 30 Jahre hatte es leer gestanden, die Wände starrten vor Ruß und Schimmel, das Dach war undicht, das zwei Hektar große Grundstück mit seinen 200 Olivenbäumen lag verwildert unter der toskanischen Sonne. 

Doch bevor die Renovierung beginnen konnte, gingen zwei Jahre ins Land. Zwei Sommer lang kampierte Gisela Kaminski in dem Gemäuer ohne Strom und fließend Wasser, um ein Gefühl und Ideen für das Haus zu entwickeln – und weil die Mühlen des italienischen Bauamtes nur sehr gemächlich gingen. Dort musste die gebürtige Deutsche gute Nerven beweisen und manchmal weiblichen Charme spielen lassen. „Ich wollte einiges anders machen, als es die italienischen Gesetze vorsahen. Beispielsweise sollten die Fenster in der Küche wesentlich kleiner werden als üblich. Die Baubestimmungen in Italien sind streng, besonders für denkmalgeschützte Häuser“, erinnert sie sich. 

Also erschien sie eines Tages beim Bauamt von Sarteano und trug ihr Anliegen vor. Sie hatte Glück, der zuständige Beamte zeigte großes Verständnis. „Ich glaube, Sie müssen erst mal italienisch messen lernen“, sagte er augenzwinkernd. Sie hatte verstanden – und vermaß die Fenster „all’ italiana“, eben so, wie sie es wollte. Und nicht nur das: Als Weihnachtsgeschenk übersah ihr Gönner einige weitere Vorschriften, so musste sie das Haus auch nicht verputzen. „Später hat er mir verraten, dass er sicher war, dass ich etwas Gutes aus dem Landsitz machen würde“, sagt Gisela Kaminski. „Deshalb war er so großzügig.“

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Autor:
Telsche Peters