Villa in Andalusien

Diesseits von Afrika

Auf ihrer überdachten Wohnterrasse an Spaniens Costa del Sol genießen eine stilsichere Düsseldorferin und ein andalusischer Architekt die Nähe Afrikas. Südlicher kann man kaum leben auf dem alten Kontinent.

Es passiert innerhalb von Minuten. Wenn vor Gibraltar die sanfte Brise des westlichen Poniente- Windes abflaut und sein Gegenspieler, der wärmere, kräftigere Levante von Osten, das Kommando übernimmt, treffen heiß und kalt, feucht und trocken aufeinander und inszenieren für Annette und Antonio Trujillo ein ganz besonderes Schauspiel: Gerade noch konnten die beiden von ihrer Terrasse aus das Meer, den schroffen Felsen von Gibraltar und die Küste Marokkos glasklar wie in Griffweite sehen – jetzt aber ist nicht einmal mehr die Mauer um ihr Grundstück zu erkennen.

Wie aus dem Nichts hüllt der Wind Garten und Haus in einen zarten Nebelschleier, taucht sie in ein mystisches Licht, wie im Weichzeichner einer Kamera. Die Statue einer lächelnden Schönen im Garten, die ein unbekannter italienischer Steinmetz im 19. Jahrhundert schuf, trägt plötzlich ein dünnes Seidentuch, und die Sonne, zuvor brennend heiß, scheint nun angenehm warm. Die Schiffe nach Tarifa fahren mit Nebelhorn. „Ich liebe diesen seltenen Moment, denn so schnell, wie der Nebel gekommen ist, verschwindet er meistens wieder“, sagt Annette Trujillo. Sie hatte schon immer ein Auge für das Besondere.

In einem früheren Leben, als sie noch Glasmacher hieß, gehörten ihr die Chanel-Boutique in Düsseldorf und das legendäre Schuhgeschäft „Anena“. In ihrer zweiten Karriere in Andalusien wurde sie Inneneinrichterin. Sie schneidet im Garten Rosen für die Tischdekoration. Die Blätter sind von der Feuchtigkeit benetzt.

Das 2500 Quadratmeter große Anwesen von Annette und Antonio Trujillo liegt auf einem Hügel vor Gibraltar im andalusischen Sotogrande, keine fünf Kilometer vom Strand entfernt. „Aber wir haben dieses Grundstück natürlich wegen des Postkarten-Blickes gekauft.“ Jeden Morgen, erzählt sie, setzt sie sich gegen neun Uhr mit einer Tasse Tee auf die Terrasse und genießt die Aussicht. Verwilderte Katzen kommen aus dem Unterholz, um sich von ihr füttern zu lassen.

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Autor:
Eva Müller-May