Hausbesuch in der Provence

Bonjour altes Haus

Mit Charme verwandelten zwei Innenarchitekten aus Paris ein uriges Dorfhaus bei Grignan zur Herberge für ihre Stadtfluchten. Hier in der Provence finden sie Ruhe und Inspirationen für neue Interieurs.

Die Provence ist viel gepriesen, viel besungen, viel besucht. Doch wer den Zeilen aus den berühmten „Lettres“ von Madame de Sévigné glaubt, würde nicht hierher reisen: „Alles ist extrem bei euch“, klagt die Marquise Mitte des 17. Jahrhunderts in einem ihrer 764 Briefe an ihre in der Provence lebende Tochter Françoise: „Eure Hitze, eure Abendnebel, eure Begrüßung, eure Sommerregen ... euer Fluss Durance scheint den Teufel in sich zu haben.“ Françoise war eine der schönsten Frauen ihrer Zeit, der selbst der Sonnenkönig Ludwig XIV. Avancen machte, bis ihre Mutter sie an den Grafen Adhemar nach Grignan verheiratete.

Einen Steinwurf vom Château de Grignan entfernt, wo einst die schöne Françoise lebte und ihre Mutter noch heute in Bronze gegossen mit einer Schreibfeder über dem Dorfplatz thront, haben die Pariser Innenarchitekten Marc Hertrich und Nicolas Adnet sich einen Weiler für ihre kleinen Stadtfluchten eingerichtet. „Wir fahren jedes freie Wochenende hierher, um unsere Batterien zu laden“, sagt Marc Hertrich. Sie steigen am Freitagabend in Paris in den Schnellzug TGV und rauschen in 2 Stunden und 42 Minuten die 630 Kilometer nach Montélimar, etwa 25 Kilometer von Grignan entfernt. „Gerade Zeit genug, um die Zeitung zu lesen und ein paar E-Mails zu tippen.“

Madame de Sévigné benötigte vor 337 Jahren für dieselbe Strecke 15 Tage; per Pferdekarosse zu Land und mit dem Floß auf der wilden Rhône. In fast 30 Jahren besuchte sie ihre Tochter in Grignan nur dreimal. „Würde sie heute leben, wären ihre ,Lettres‘ nie geschrieben worden“, meint Marc Hertrich und öffnet die schwere Eichentür, um für das Mittagessen frische Kräuter im Vorgarten seines Dorfhauses zu schneiden. Das ist fast so alt wie Sévignés Briefe. Und es ist keine zehn Jahre her, da war es noch eine traurige Ruine.