Handbemaltes Porzellan

Hoch die Tassen!

Ein handbemaltes Porzellanservice kann sich heute kaum noch jemand leisten. Eine Lieblingstasse schon. Kleine Schätze mit großer Historie und Blumen, die nie verblühen.

Es war einmal eine Zeit, da gehörten Schleswig und Holstein, Oldenburg und Delmenhorst zu Dänemark, und die gesamte Flora des Landes war nach Art eines Herbariums in einem großen Folianten verzeichnet. Von Achillea ptarmica, der Sumpfschafgarbe mit fein gesägten, lanzettlichen Blättern bis zu Viola uliginosa, dem Moorveilchen. Und weil die halbe Welt den dänischen König um den Pflanzen-Atlas seines Hof-Botanicus Georg Christian Oeder beneidete, kam ihm eine Idee: Was wäre, wenn man das alles auf Porzellan malen ließe? Denn er suchte gerade nach einem Geschenk für Zarin Katharina II. Gelehrt und kunstsinnig sollte es sein, einer Kaiserin würdig.

So ähnlich muss König Frederick VI. gedacht haben, als er 1790 das Service „Flora Danica“ bei der Königlichen Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen in Auftrag gab. Ein Jahrhundertwerk, dem der Nürnberger Maler Johann Christoff er Bayer sein gesamtes Schaff en widmete. Zwar lebte Katharina die Große längst nicht mehr, als das Service im Winter 1802 in allen 1802 Teilen fertig war, aber noch heute bewundert die ganze Welt den Zauber dieser Malereien.

Beinahe unvergänglicher Wert

„Ich arbeite seit bald zehn Jahren bei Royal Copenhagen“, erzählt die Porzellanmalerin Ghita Dencker-Thorbecke, „aber alle der über 1500 historischen ,Flora Danica‘- Motive habe ich noch nicht geschafft.“ Am liebsten beschäftige sie sich mit großen, ausladenden Pflanzen, wogegen die Kaff eetasse mit den Veilchen „eine echte Herausforderung für mich ist. All die winzigen Blattadern, die Blütchen und Wurzeln.“ Ghita greift nach dem feinsten ihrer sechs zugespitzten Pinsel, an denen man die Marderhaare einzeln abzählen kann.

Eigentlich, meint die junge Malerin, müsse man gar nicht das komplette Service (zum Preis einer Luxuswohnung) besitzen, um die Einzigartigkeit von „Flora Danica“ zu verstehen. „Eine kleine Tasse wie diese genügt.“ Sie wird freihändig bemalt, die Details von Hand modelliert und vergoldet – mit derselben Kunstfertigkeit wie vor 200 Jahren. Nur eines hat sich seit damals verändert: „Heute können unsere Kunden wählen, welches Motiv sie auf ihrer Tasse wünschen. Und zwar von der Sumpfschafgarbe bis zum Moorveilchen.“ Das konnte Katharina die Große nicht.

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Autor:
Simone Herrmann