Wissenswertes über Chilischoten

Ganz schön scharf

Sie rühren zu Tränen und machen doch glücklich: Chilis sind nicht nur scharfe Dopamin-Kitzler – sie geben aufregende Aromen und gedeihen im Blumentopf.

Erst prickelt die Zunge, dann brennt der Mund. Es folgen ein Schweißausbruch und dann die Tränen. Chilis können die Hölle sein. Doch das hält uns kaum davon ab, die Feuerprobe aufs Neue zu bestehen. Ob frisch oder getrocknet, in Schokolade oder fein pulverisiert: Die heißen Schoten sind der reinste Thrill. Das liegt am Capsaicin, dem Stoff, der Chili scharf macht. Er reizt die Nervenenden im Mund aufs Äußerste. Auf den Notfall reagiert der Organismus prompt: mit einem satten Schwall Endorphin, unserer körpereigenen Droge, die Schmerzen lindert und uns Wohlgefühl spendet.

Grund genug, die Rezeptoren regelmäßig zu trainieren. Das härtet ab und ist gesund. Denn pralle, rote Schoten enthalten mehr Vitamin C als jedes Obst und bringen die Verdauungssäfte schön in Schwung. Ans Brennen und Beißen gewöhnt man sich. Zur Belohnung beschert das feurige Gewürz uns überraschende Aromen. Begleitet von sanfter, kräftiger oder rasanter Würze, entfalten Chilis fruchtige oder blumige Noten, schmecken erdig oder auch rauchig. Ein Hochgenuss, den man in ihrer Heimat Lateinamerika schon lange schätzt. Über Jahrhunderte domestiziert, hat dort jede Region ein eigenes Repertoire traditioneller Sorten. Jedes Rezept erfordert eine bestimmte „Ají“, wie die Vertreter der botanischen Gattung Capsicum in Lateinamerika heißen. Und es wäre ein Stilbruch, einfach eine gegen die andere zu tauschen.

Aus „Ají“ wurde „pimiento“ (Pfeffer), als die heiße Ware im 15. Jahrhundert Spanien erreichte. Christoph Kolumbus (1451–1506) war es vermutlich, der die „Ají“ um ihren schönen Namen brachte. Auf der Suche nach Indien, der Heimat des damals hoch begehrten Pfeffers, fand er 1492 versehentlich Amerika, wo Ureinwohner ihre Speisen mit kleinen scharfen Schoten würzten. Er hielt sie für eine Pfefferart und bezeichnete sie kurzerhand als solchen. Andere Sprachen folgten und leiteten das Wort für Chili von dem für Pfeffer ab. Die Franzosen sagen „poivre rouge“, Deutsche „Cayennepfeffer“, Italiener „peperoncino“ und Niederländer „Spaanse peper“.

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Autor:
Katrin Püttmann