Lebensmittel

Brot backen lernen

Das geflügelte Wort vom „täglichen Brot“ spiegelt die Bedeutung dieses in Europa elementarsten Nahrungsmittels. Bei Roswitha Huber aus dem Rauriser Tal kann man die Kunst des Backens lernen. 

Wenn das Wetter mitmacht, hat die Backstube von Roswitha Huber die schönste Ausicht der Welt. Hinter Wiesen und Bäumen ragen die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern auf. Die Häuser unten im Rauriser Tal und mit ihnen die Hektik des modernen Lebens liegen eineinhalb Wanderstunden entfernt.

Hier oben, auf der Kalchkendlalm, weht nicht nur wegen des Frühlings ein frischer Wind. Hier geht es nicht ums schnelle Denken und flüchtige Reagieren, sondern ums Tun, ums ganz bei einer einzigen Sache bleiben: darum, mit den Händen im auf dem Vorplatz der Alm aufgestellten Backtrog den klebrigen Teig zu kneten. Darum, aus diesem Teig ohne Hast, aber mit stetigen Bewegungen einen Laib zu formen. Und darum, den dem Holzofen entströmenden Duft tief in sich aufzunehmen. Am Schluss des Tages kann dann jeder, mit stillem Glücksgefühl, einen selbst gebackenen Laib Brot in den eigenen Rucksack packen.

Wo kommt unser Essen her?

Alles handgemacht

Alles handgemacht, das Brot, die Butter, der Käse. Auf ihrer Alm lebt Roswitha Huber als Selbstversorgerin – und gibt ihr Wissen gerne weiter.

„Die Schule am Berg“ nennt die resolute Hausherrin ihr Projekt, das sie zunächst für Kinder maßschneiderte und zu dem inzwischen auch mehr und mehr Erwachsene pilgern: „25 Jahre lang war ich Volksschullehrerin im Rauriser Tal“, erzählt die heute 57-Jährige. „Dabei ist mir aufgefallen, wie wenig die meisten Kinder darüber wissen, wie unsere Nahrungsmittel gemacht werden. Und ich habe überlegt, wie man ihnen nahebringen kann, wie viel Sorgfalt, Wissen und Mühe allein in unserem täglichen Brot steckt.“ Die Überlegung, dass sich dessen Herstellung auch Kindern an einem Tag beibringen lassen müsste, mündete im Kursmotto „Ich mache mir mein Butterbrot“, das Huber absolut wörtlich meint: Jeder Teilnehmer backt sich sein Brot, und während dieses im Ofen liegt, geht’s zu den Kühen zum Melken und Buttern.

Das Korn dafür baut die eigenwillige Lehrerin und Bäuerin selbst an – als Einzige im Tal. „Bis in die 50er-Jahre hinein waren die Bauern hier Selbstversorger und hatten sowohl Milchvieh wie auch Korn. Dann kam in den 1960ern die Spezialisierung der Landwirtschaft: Die besser dafür geeigneten Regionen konzentrieren sich seitdem ganz auf die Milchwirtschaft, andere auf den Getreideanbau. Seit 1976 gibt es im Rauriser Tal keinen Getreidebauern mehr, und auch sonst sind in den meisten Gebirgsgegenden die Kornfelder verschwunden. Die Beschränkung auf die Milchwirtschaft ist für die Bauern schon vom Arbeitsaufwand her sicher einfacher und effektiver. Aber ob das auch für die Natur so gut ist?“

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