Saisonale Genüsse

Kochen mit Annabel Langbein

Bekannt wurde die neuseeländische Starköchin Annabel Langbein mit einer Kochshow aus dem eigenen Gemüsegarten. Ihre bodenständigen Rezepte beflügeln auch hierzulande die Kreativität am Herd.

Annabel Langbein

Nicht nur hierzulande ist es ein Phänomen, für das es nur schwer eine Erklärung gibt: Nie gab es so schöne, sinnliche, klug gemachte Kochbücher, nie konnten sich so viele Köche als Fernsehstars etablieren – und nie stapelten sich mehr Fertigprodukte in den Regalen der Supermärkte, weil Zeitmangel, aber auch fehlende Routine immer mehr Menschen davor zurückschrecken lassen, in der Küche selbst Hand anzulegen. Die mitreißendste Koch-Ermunterung seit Langem kommt aus Neuseeland: TV-Köchin Annabel Langbein drehte eine Genuss-Show direkt in ihrem Bauerngarten am Lake Wanaka im Südteil des Landes und zeigte, wie unkompliziert es sein kann, aus frisch geerntetem Obst und Gemüse, Eiern und Fleisch aus benachbarten Höfen sowie frisch gefangenem Fisch ein umwerfend einladendes Essen zu zaubern. Die Sendung „The free-range cook“ – grob übersetzt: „Die Freiland-Köchin“ – wurde zum Straßenfeger, das zugehörige Buch zum Bestseller. Jetzt erscheint das inspirierende, Mut machende Buch mit seinen bodenständigen Rezepten auch auf Deutsch.

Wer in Ihrem Kochbuch blättert, gewinnt schnell den Eindruck, dass Ihre wichtigste Küchentugend die Schlichtheit ist. Warum ist Einfachheit und auch Naturverbundenheit dermaßen wichtig? Annabel Langbein: Sobald Sie auf sehr frische, qualitativ hochwertige Zuta­ten zurückgreifen können, ist Ihr Job als Koch sehr einfach: Das Produkt spricht für sich selbst. Damit es gut schmeckt, ist nicht viel Arbeit nötig. Eigentlich brau­chen Sie nicht mal ein Rezept. Nehmen Sie zum Beispiel ein Stück frischen Lachs, den Sie mit Pesto oder einer anderen wür­zigen Paste – sei es Tapenade oder einfach abgeriebene Zitronenschale, vermischt mit Olivenöl, Salz und Pfeffer – bestrei­chen. Verteilen Sie noch ein paar Kirschtomaten drum herum, schieben Sie das Ganze für zehn Minuten in den gut vorge­heizten Ofen, und schon haben Sie in Windeseile ein saftiges, leckeres Essen.

Warum greifen trotzdem so viele Leute lieber zur Tiefkühlpizza? Das Verhältnis, das viele Menschen heut­zutage zum Essen haben, ist zwiespältig: Zum einen ist es eine unumgängliche Notwendigkeit, sich zumindest einmal pro Tag mit einer Mahlzeit zu versorgen, aber auf der anderen Seite herrscht das Ge­fühl vor, man habe nicht die Zeit, die Ener­gie oder auch die Fähigkeiten, um selbst zu kochen und sich danach an den Tisch zu setzen und gemeinsam zu essen. Deshalb ist es mir so wichtig zu zeigen, dass es gar nicht schwierig ist, gutes, frisches Essen zu kochen. Gerade in der verrückten Welt, in der wir leben, ist Kochen eine ganz einfa­che Möglichkeit, sich nützlich und geerdet zu fühlen.

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