Feiner Alkohol

Edler Likör aus Pomeranze

Keine Orange ist so reich an Aromen wie die Pomeranze. In Mecklenburg wird daraus Likör hergestellt.

Pomeranze

Eines der typischen Verbreitungsgebiete der Pomeranze zeichnet sich durch sanfte, weitläufige Hügel aus, durch saftige Wiesen – und durch Winter mit knackigen Minustemperaturen. „Die Fürsten in der Mecklenburgische Schweiz waren ganz verrückt nach den Früchten und Bäumen – wer etwas auf sich hielt, stellte sie den Sommer über im Park auf und baute ihnen Orangerien, um sie gut durch die frostige Jahreszeit zu bringen“, erzählt Verena Gräfin Hahn von Burgsdorff. Auch in der Familie ihres Mannes Hubertus hatte der Umgang mit den bitteren Orangen eine große Tradition: In deren Stammschloss in Basedow gab es eine großzügige Orangerie.

„Allerdings“, erzählt Verena Gräfin Hahn weiter, „waren Pomeranzen lange Zeit vor allem ein Statussymbol. Ein Gast konnte zum Beispiel beim Anblick der Tischdekoration an der dafür verwendeten Anzahl von Pomeranzen ablesen, wie hoch die Wertschätzung war, die ihm sein Gastgeber entgegenbrachte.“ Denn schon der Name und die außergewöhnliche, leuchtende Farbe der Früchte signalisierten Kostbarkeit: Pomum aurantium heißt die Pomeranze auf Latein, frei übersetzt „goldener Apfel“. Beheimatet ist sie, wie alle Zitrusfrüchte, in China. Spätestens seit der Antike ist sie in Südeuropa bekannt. Die alten Römer unterschieden zwischen sauren und süßen Orangen und setzten Saft und Schale der Pomeranze als Gegenmittel bei Vergiftungen ein. Mit dem Ende ihres Reiches verschwanden Pomeranzen, aber auch süße Orangen in Italien und Mitteleuropa allerdings erst einmal wieder von der Bildfläche.

Erst im 16. Jahrhundert traten die hübschen Pomeranzenbäumchen von Spanien aus ihren Siegeszug durch die Adelshöfe an. Doch ließen die Früchte die barocken Fürsten zugleich etwas ratlos zurück, denn in rohem Zustand sind Pomeranzen ungenießbar: Der Saft ist sauer, das Fruchtfleisch fest, die Schicht der Schale dick.

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